Gekaufte Produktbewertungen – Es gibt sie auch in Blogs

Als Blogbetreiber ist man, daß liegt in der Natur der Sache, immer auf der Suche nach neuen Themen, über die man schreiben kann. Wenn man, so wie ich, eine Jahresfahrleistung von weit über 40.000 km aufweisen kann, bietet sich zum Beispiel an, über all die Ausrüstungsgegenstände, die sich bei derartiger Dauernutzung mehr oder weniger schnell verschleißen, eine Produktbewertung zu schreiben. Wenn man berücksichtigt, daß ein durchschnittlicher Motorradfahrer gut 3000 Kilometer pro Jahr zurücklegt, kann man durchaus beurteilen, wie lange z.B. Schuhe, Jacke oder Stiefel für Durchschnittsfahrer halten, wenn sie bei der eigenen Nutzung nur 4 Monate und damit mehr als das Vierfache dieser Strecke, überleben.

Auf die eine oder andere Mangel-Reklamation hin, habe ich dann auch tatsächlich für eine der bekannten Ketten für Motorradbekleidung und -Zubehör drei Produkte testen dürfen. Bei diesen Tests habe ich die Artikel nicht geschont und unter realistischen Bedingungen durchaus einem Streßtest unterzogen. Meine konstruktive Kritik scheint nicht wirklich erwünscht gewesen zu sein. Obwohl ich anstelle eines reinen Fragebogens eine zusätzliche schriftliche Einschätzung der Produkte versandt habe, ist nach meiner letzten Bewertung im Juli noch nicht mal eine Antwort auf den Testbericht eingegangen, geschweige denn eine Eingangsbestätigung. Dieses Thema ist für mich daher längst wieder vom Tisch.

Hätte ich über diese Produkte schreiben sollen? Am heutigen Tag könnte ich über 2 der drei Artikel etwas positives schreiben, weil ich diese behalten durfte und mittlerweile auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe. Was aber nutzt es meinen Lesern, wenn  ich aufgrund der vorhergehenden Probleme einen Artikel zunächst schlecht, dann aber wieder gut bewerte und damit eher Verwirrung als Hilfe zur Kaufentscheidung stifte?

Dieser Problematik scheint sich die Industrie wohl nur zu gut bewußt zu sein, zumal sie nie im Voraus weiß, an wen die eigenen Produkte zur Bewertung vergeben werden. Ist es jemand, der grundsätzlich alles schlecht macht? Kauft die Person vielleicht seit Jahren Produkte des stärksten Konkurrenten und ist damit sehr zufrieden? Es ist viel zu unsicher, daß ein zum Test vergebenes Produkt wirklich die „gute Bewertung“ erhält, die es nach Meinung der Hersteller verdient. Wie kann man nun, ohne großen Aufwand, diese positiven Bewertungen sicherstellen? Die Antwort ist: Gekaufte Bewertungen.

Jetzt kommt das zum Tragen, was mich gerade ein wenig aufregt. Im Folgenden werde ich keine Namen nennen, weil ich kein Interesse daran habe, eine Verleumdungsklage angehängt zu bekommen. Auf jeden Fall wanderte vor nicht allzu langer Zeit eine Email von einem Bloglist-Webseitenbetreiber in meiner Inbox. In dieser Mail wurde mir im Auftrag eines Herstellers eine „Vergütung“ für das Verfassen eines „positiv formulierten Testberichts“ für ein Batterieladegerät angeboten. Dieser Bericht sollte mindestens 300 Worte haben und im Inhalt sollte auf jeden Fall die Handhabbarkeit, die Verarbeitung und der Preis positiv herausgestellt werden.

*Kotz-Smiley* und *Email-sofort-gelöscht* Nicht mal die Vergütungshöhe habe ich mir noch angesehen.

Mir wird nun auch klarer, woran es liegen kann, daß ich mit einem Reifensatz, für mein Motorrad, im Endresultat genau so unzufrieden war, wie ich in einem Testbericht das genaue Gegenteil gelesen habe. Hätte ich nur damals auf den Reifenverkäufer meines Vertrauens gehört, der mir sagte, „Dieser Reifenhersteller ist Serienausstatter von Harley Davidson, aber die (Fahrer) schmeißen die alle runter.“ Diesen Fakt konnte ich bisher nicht verifizieren weil ich keine Harley fahre, aber die zweite Bemerkung: „die sind bei Regen unfahrbar“, kann ich weitestgehend unterschreiben.

Bei einem weiteren „Produkttest“ für ein Navigationsgerät, das ich selbst schon benutzt habe, wurde der ach so tolle Blendschutz des Displays, auch bei direkter Sonneneinstrahlung gelobt. Aus Erfahrung weiß ich, daß das totaler Humbug ist. Wenn die Sonne auf dem Display steht, braucht man Helm- oder Handschuhschatten um wieder etwas erkennen zu können. In diesem Fall hatte der „Tester“ das Produkt sogar tatsächlich erhalten.

Heute wünschte ich mir, ich hätte diese Mail nicht sofort gelöscht, denn dann wäre es mir jetzt ein leichtes gewesen, Namen zu nennen und den Inhalt auch beweisen zu können. So bleibt mir nur, meine Leserschaft darauf hinzuweisen, daß den vielen Testberichten, die im Web auf privaten Seiten zu finden sind, nicht unbedingt zu trauen ist. Für mich bleibt jedenfalls eine große Portion Skepsis übrig, wenn auf solchen Seiten auffällig viele Testberichte zu finden sind.

Aus diesem Grund werde ich auch zukünftig darauf verzichten „Produkttests“ zu veröffentlichen. Ich möchte nicht mit gekauften Testern in einen Topf gesteckt werden können. Nicht mal zu unrecht…

2 Gedanken zu “Gekaufte Produktbewertungen – Es gibt sie auch in Blogs

  1. Hallo Köfte, Deine Erfahrung deckt sich so in etwa mit meiner Vermutung.
    Persönlich gebe ich auch nicht viel auf diese Bewertungen, obwohl ich sie auch mal „überfliege“ , versuche zwischen den Zeilen zu lesen, aber manchmal auch nur den „gesunden Menschenverstand“ einzuschalten.
    „Der leiseste Helm aller Zeiten“ oder so ähnlich ist ja ein Slogan. Mag sein, wenn alle Klappen zu sind und ich auf einem Elektrobike sitze oder nicht schneller als 50 Km/h fahre….aber wer macht das schon. Irgendwie gehören auch Geräusche zum Umfeld des Fahrens und außerdem, wer kann schon schon den Unterschied von –als Beispiel– 78 dB und 86 dB beurteilen, zumal sich die Lautstärke, Windgeräusche usw. sich ja laufend ändert.
    Also ? Man kauft sich ein Produkt, bei dem man sagt: „Wird schon passen „.
    ….Meckern über sich selber, kann man dann bei Bedarf später und die Schublade „Erfahrungen gesammelt“ etwas füllen ;-).
    In diesem Sinne weiter alles Gute
    Gruß
    Tornado

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