Auszeit vom echten Leben – Motorradurlaub räumt den Kopf frei

Ernüchternd war es, als mich heute morgen um halb 4, nach knapp einer Woche auf dem Motorrad, gemeinsam mit meiner Ex-Sozia und nun Selbstfahrerin, der Wecker aus dem Kurven-wedeln-Traum riß und mir klarmachte, daß es nun vorbei ist mit der schönen Zeit des Zweirad-Urlaubs.

Erst vor einer Woche machten wir uns zunächst auf den Weg nach Oberlahr im Westerwald, wo das diesjährige Treffen der Honda PAN-European Fahrer, genannt PANer & Friends, stattfand. Das neue Orga-Team, Sabine und Sandra, zwei junge Mädels, die einen prima Job bei der Organisation und Durchführung dieser Veranstaltung geleistet haben, konnten neben Igonia und mir noch viele weitere Teilnehmer begrüßen.

Ankunft bei Paner & Friends
Ankunft bei Paner & Friends

Die genaue Teilnehmerzahl war für mich nicht zu übersehen, da einige Motorräder mit besetztem Soziusplatz oder Beiwagen dabei waren und andere Teilnehmer gleich auf das Motorrad verzichteten und, den geselligen Teil in den Vordergrund stellend, gleich mit dem Pkw anreisten. Meine Zählung am Samstagabend ergab jedenfalls eine Summe von 67 Motorrädern, von denen „nur“ 27 eine Pan waren und der Rest anderen Marken angehörte. Dabei dominierte bei den Fremdmarken der Hersteller Harley-Davidson. Erst im späteren Verlauf des Abends erfuhr ich, daß auch noch Nicht-Treffen-Teilnehmer mit Motorrad als Gäste im Hotel waren. Das Verhältnis war also wohl doch noch etwas besser für uns „Paner“ (gesprochen übrigens wie Penner mit einem N)

Viele Fremdmaschinen beim Paner-Treffen
Viele Fremdmaschinen beim Paner-Treffen

Zunächst aber zurück zur zeitlichen Reihenfolge: Am Freitagabend waren wir kaum vor dem Hotel angekommen, als wir gleich unserem fast vollzählig versammelten Pan-European-Stammtisch auf dem Parkplatz sozusagen in die Arme fuhren. Sogleich kam man wieder ins Gespräch und man war in der Fremde irgendwie sofort wieder „zu Hause“.

Beim abendlichen Grillbuffet wählten Igonia und ich bewußt einen Platz am Tisch bei anderen, uns unbekannten Teilnehmern des Treffens und es war einfach klasse, erneut gemeinsame Themen zu haben und sich spannend unterhalten zu können. Der Alltag war schon auf dem Weg in den gedanklichen Hintergrund gerutscht und wir beschäftigten uns nur im Hier und Heute mit Gleichgesinnten.

Am nächsten Morgen schlossen wir uns unserem Tourguide Axel an, der uns auf einer wunderschönen Tour „Rechts vom Rhein und Lahntal“ durch den Tag führte. Nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke entschieden Igonia und ich uns dafür, die Gruppe zu verlassen, da Igonias Kondition als Führerschein-Neuling noch nicht voll ausgebildet war. Um die Mitfahrer nicht zu belasten fuhren wir daher auf direktem Weg zurück zum Hotel und verzichteten auf den Rest der Kurvenstrecke. Trotzdem kamen wir später als Axel mit dem Rest unserer Gruppe an, was uns zunächst selbst erstaunte. Wenn man aber bedenkt, daß wir noch zwei Pausen, einen Einkauf- und einen Tankstop eingelegt haben, war schnell klar, wo die Zeit liegengeblieben war.

Fotosession bei einer der Pausen auf dem Rückweg zum Hotel
Fotosession bei einer der Pausen auf dem Rückweg zum Hotel

Beim folgenden Dinner-Buffet konnten wir uns erneut problemlos mir den anderen Bikern austauschen. Das Orgateam gab noch bekannt, wo wir uns im nächsten Jahr zu „PANer & Friends“ treffen werden, und nach dem Gruppenfoto war damit war der offizielle Teil so gut wie vorbei.

Zu diesem Zeitpunkt war die Realität des Alltagslebens vollends aus dem Bewußtsein verbannt. Es gab nur die Einheit mit der Maschine auf schönen Landstraßen sowie Geselligkeit und Gespräche unter Motorradfreunden.

Am nächsten Morgen gab es noch das gemeinsame Frühstück und nach und nach machten sich alle Teilnehmer des Treffens auf den Weg nach Hause, um sich bis zum September im nächsten Jahr mit ihren Pans wieder in alle Himmelsrichtungen Deutschland zu verteilen. Natürlich wurde sich stets mehr oder weniger persönlich und herzlich verabschiedet und so zog sich auch unsere Abreise etwas hinaus.

Für die Meisten war dieser Sonntagmorgen, bis auf die Heimfahrt, das Ende der Zweiradfreizeit in dieser Woche. Für uns Beide war es jedoch nur das Warm-Up. Da es für mich ab Anfang Oktober aus beruflichen Gründen für mindestens die nächsten 5 Monate erst mal keinen Urlaub geben wird, entschlossen wir uns nach Igonias Bestehen der Führerscheinprüfung Anfang August dafür, diese vorerst letzte Gelegenheit im September für einen verlängerten Kurzurlaub zu nutzen.

Was bot sich also besser an, als sie dort hin zu führen, wo ich mich selbst, als Anfänger im letzten Jahr, auf dem Motorrad sehr wohl und nicht überfordert gefühlt habe? Aufmerksame Leser dieses Blogs werden es schon ahnen und ja, es lag für mich auf der Hand, mit ihr in die Vogesen zu fahren. Wieder war Colmar unsere gastgebende Stadt und für zwei Übernachtungen quartierten wir uns dort ein.

Die ersten Gedanken zum Miniurlaub galten aber zunächst Igonias Kondition. Bisher war sie mit mir, inklusive Pausen, maximal 5,5 Stunden an einem Tag unterwegs gewesen. Die Anreise nach Colmar plante ich über die A63 bis kurz vor Kaiserslautern, um sich dann über Land, die B48 befahrend, direkt südwärts in den Elsass und die Vogesen zu schlagen. Anfangs war die Straßenführung eher anspruchslos und unspektakulär. Ein kurzer Umweg von Fischbach nach Kaiserlautern und wieder zurück auf die geplante Strecke versorgte uns noch mit ausreichend Bargeldreserven um im Ausland nicht an den Zasterautomaten gehen zu müssen.

Endlich wieder im Elsass
Endlich wieder im Elsass

Nachdem wir die deutsch-französische Grenze hinter uns gelassen hatten, suchten wir uns bald eine geeignete Rastmöglichkeit um unser Mittagessen einnehmen zu können. Dabei konnte Igonia mal wieder glänzen. Wenn ich mich in der Routenplanung austobe, tut sie das Gleiche mit der Versorgungs-Planung für uns während der Fahrt. Sie zauberte aus ihren Satteltaschen eine leckere Mahlzeit auf den Tisch des Rastplatzes und nach dem Essen waren wir genau richtig satt. Nicht ermüdend überfressen und nicht mehr hungrig – eben genau richtig. Bis zu dieser Rast waren wir bereits gute 3 Stunden unterwegs und der Großteil des Weges lag noch vor uns. Ohne es auszusprechen machte ich mir schon Gedanken dazu, ob Igonia es durchhalten würde, aber in diesem Punkt überraschte sie uns beide an diesem Tag.

Rasten auf einem gemütlichen Parkplatz an der Landstraße
Rasten auf einem gemütlichen Parkplatz an der Landstraße

Nachdem wir die Elsass-Weinstraße erreicht hatten, der wir eine Weile folgten, führte uns der Weg noch ein wenig durch die unteren Ausläufer der Vogesen, um uns dann in einem leichten Bogen nach Colmar zu führen. Auf dieser Strecke fiel uns erstmals ein kleines Detail auf, an dem man leicht erkennen konnte, wie sehr die Stadt, in die man gerade einfuhr, mit Blumen geschmückt war: Unterhalb des Ortseingangsschilds befand sich ein weiteres Schild mit dem Text „Village Fleuri“ (oder so ähnlich, ich beherrsche die französische Sprache nicht wirklich), gefolgt von einer Anzahl aufgeklebter Klee- oder Blütenblätter (das war nicht immer so genau identifizierbar). Je mehr Aufkleber vorhanden waren desto aufwendiger war das Dorf mit üppigen Blumendekorationen versehen. Das einzige Dorf, daß 4 solcher Aufkleber im entsprechenden Schild trug, war auch entsprechend imposant in Blumen getaucht. Leider haben wir davon kein Foto geschossen, weil uns zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, daß es das einzige, so großartig geschmückte Dorf sein würde.

Wir waren seit unserer Abfahrt aus Frankfurt, mit entsprechend vielen Pausen, schon über 10 Stunden unterwegs gewesen, als wir gegen zwanzig vor Acht am Abend endlich unser Hotel erreichten. Wer nun denkt, daß Igonia aus dem Stand gleich mit geschlossenen Augen auf das Bett gekippt wäre, täuscht sich genau so sehr wie ich. Vermutlich hat sie sich sogar selbst nicht ganz getraut als sie sagte, daß sie es sich nicht entgehen lassen wollte, mit mir in „Petite Venice“, der touristischen Altstadt von Colmar, essen gehen zu wollen. So war Mitternacht bereits überschritten, als wir uns endlich zur Ruhe begaben.

Petite Venice
Petite Venice

Unser Plan für den Dienstag war es, zunächst ohne etwas zu essen zum Tanken zu fahren und auf dem Weg danach eine Gelegenheit für ein Frühstück wahrzunehmen. Für mich waren die Nächte in Colmar leider von Kopfschmerzen geprägt. Diese sind zwar seit meiner Kindheit immer wieder ein unliebsamer Begleiter, jedoch lernt man, sie mit entsprechendem Verhalten und / oder Medikation wieder loszuwerden. Am ersten Morgen in Colmar zeigten sie aber leider eine große Hartnäckigkeit und es dauerte eine Weile, bis ich mich ihrer endlich entledigen konnte. Dies schlug sich auch ein wenig auf meine Stimmung nieder und so fuhr ich Igonia ein wenig unwirsch an, als sie auf dem Weg zur Betankung eine Navi-Anweisung „mißachtete“. Zum Glück nahm sie es mir nicht lange krumm und so konnte unser „Aufstieg in die Berge“ beginnen.

Kurventraining wie beim ADAC - nur in schön
Kurventraining wie beim ADAC – nur in schön

Für Igonia waren dies die ersten ernstzunehmenden Kurven, denn für Taunus- Spessart- und Odenwald-Biker bieten die Vogesen eine erstaunliche Vielfalt an Kurven, Spitzkehren und Ausblicken auf die schöne Landschaft unter sich.

Panoramablick in den Elsass
Panoramablick in den Elsass

Erprobte Motorradurlauber werden nun müde lächeln und sich denken: „Ach Leute, fahrt doch mal ‚hierhin‘ oder ‚dorthin‘ – da gibt es was zu fahren und zu sehen“. Das Schöne für uns ist es, daß wir das alles noch entdecken können (3 x auf Holz geklopft). Könnt ihr euch noch an die Momente erinnern, als ihr zum ersten Mal auf Sardinien, Korsika oder vergleichbar beliebten Motorradzielen gefahren seid? Dieses Gefühl steht uns noch bevor und wir freuen uns darauf und werden es genießen.

Pause muß auch mal sein
Pause muß auch mal sein

Zurück zu unserem Tag. Da ich an diesen Tag nicht ständig hinter Igonia fahren wollte, wie wir es auf der Hinfahrt gehalten haben, vereinbarten wir, daß ich vor ihr mein eigenes Tempo fahre und jeweils an Abbiegungen oder zwischendurch an geeigneten Stellen auf sie warten würde. Im Laufe des Tages wurden die Wartezeiten merklich kürzer und es erstaunte mich schon, wie sehr sie offensichtlich dazu lernte, wenn sie sich gedanklich nicht damit auseinandersetzen mußte, daß sie mich womöglich „aufhält“ wenn ich hinter ihr her fahre. Sie berichtete von verbesserter Konzentration sobald ich außer Sichtweite davongefahren war. Das trug offensichtlich zu einer Steigerung ihrer Durchschnittsgeschwindigkeit bei.

Kurvenräuberin bei der Pause geblitzt :-D
Kurvenräuberin bei der Pause geblitzt 😀

Am Deutlichsten fiel mir ihr Fortschritt an den vielen Kreisverkehren auf. Ihre Kreisverkehrstrategie änderte sich von „Erst mal schauen was passiert und eher mal anhalten, als zu viel zu riskieren“, über „Wenn nicht deutlich sichtbar ist, daß es eng wird, kann ich ja gleich vorsichtig in den Kreisel einfahren“ zu „Wenn Köfte einfach durch den Kreisel fährt, wird für mich vielleicht auch noch Platz genug sein – hinterher“. 😀 Zum Schluß waren schon deutliche Schräglagen und Schräglagenwechsel erkennbar. Es war mir eine große Freude zu sehen, daß Igonia so einen großen Nutzen für ihre Fahrerfahrung aus dieser Tour ziehen konnte. So hat sich für mich die ganze Tourenplanung gleich doppelt gelohnt. Zugegebenermaßen war ich sogar ein bißchen neidisch auf sie, da ich zu Beginn meines Führerscheins niemanden hatte, der mich in dieser Form unterstützten konnte.

Tunnel durch den Berg beim Col de la Schlucht
Tunnel durch den Berg beim Col de la Schlucht

Pause am Col de la Schlucht
Pause am Col de la Schlucht

Auch für das Konditionstraining war dieser Tag wieder gut geeignet. Im Voraus hatte ich, einfach ausgedrückt, eine „In-der-Acht-verschachtelte-Doppel-Null-mit-Kreuz-und-Quer-Abkürzungen“ 😉 angelegt, so daß wir jederzeit den Rückweg auf noch unbefahrener aber motorradwürdiger Strecke antreten konnten. Von 3 bis 7,5 Stunden Nettofahrzeit war alles machbar. Obwohl wir uns vorgenommen haben, es an diesem Tag nicht zu übertreiben, war der Fahrspaß einfach so groß, daß unser Tagesprogramm anstatt der geplanten 4 bis 5 doch wieder um die 9 Stunden dauerte.

Lac Blanc
Lac Blanc

Am Mittwochmorgen ging es dann nach dem Aufstehen leider direkt schon wieder an die Vorbereitungen für die Heimfahrt. Die paar Sachen zu packen, die man bei dieser Urlaubsart dabeihat, geht ja sehr schnell. Zahlen, auschecken und das Gepäck noch mal zum Aufbewahren abgeben, denn für uns galt es, wie schon letztes Jahr, noch mal zum „Marche Couvert“ zu fahren, einer Art Kleinmarkthalle, in der lokale Spezialitäten angeboten werden. Dort deckten wir uns mit hervorragenden Käsen ein, die sogleich in einer Isoliertasche verstaut wurde, denn es sollten wieder über 30 Grad werden.

Marche Couvert in Colmar
Marche Couvert in Colmar

Auch der Rückweg war nicht als „schnellste Strecke“ geplant, sondern mit einem letzten Randbesuch der schönen Kurvenstrecken. Ungeplant waren auf dem Heimweg einige der längsten Aneinanderreihungen von Kurven und Spitzkehren des ganzen Aufenthalts zu bewältigen. Bereits zum Ende des Vortags haben wir fast krampfhaft damit begonnen, wenigstens ein einziges Mal eine Fußraste auf den Boden zu kriegen. Dabei waren die Chancen, das Igonia daß auch hinkriegt durchaus gleich groß, da die Rasten ihrer Maschine weiter außen und näher am Boden endeten als bei meiner ST. Kurz vor Ende der Bergstrecken ist es mir dann auch endlich gelungen ein kurzes Schrappen auf dem Asphalt unter dem rechten Fuß zu spüren. Mein Jubel über die Interkomanlage kam bei Igonia jedoch nicht wirklich an, weil sie just vor dieser Kurve einen krabbelnden Besucher von innen am Visier betrachten durfte. Völlig abgelenkt von dem Insekt hat sie diese Chance nicht nutzen können und damit vielleicht meinen Stolz ein wenig gerettet. 😉

Eine weitere Situation, obwohl ich jetzt mit einem Schmunzeln dran denken muß, sorgte während der Heimfahrt bei mir für Mißstimmung. Auf einem Teil der Strecke fuhren ungewöhnlich viele Shuttle-Busse, die die Gäste einer Dörfer-übergreifenden Ausstellung transportierten. Jetzt gibt es sicher nicht viele Dinge, die unangenehmer sind, als bei deutlich über 25 Grad im Schatten auf schattenloser Straße hinter einem 35 bis 40 km/h langsamen Bus auf der Landstraße her zu zuckeln. Überholen war aufgrund Igonias gesund-geringer Risikobereitschaft (die ich durchaus begrüße) auszuschließen. Für mich hätte der Platz zum Überholen zwar gereicht, aber sie hätte für ihren Überholvorgang nicht genug freie Sicht gehabt.

Als der Bus in einem der durchfahrenen Dörfer, analog zu unserer Navigationsroute, im ersten Kreisverkehr auf 9 Uhr abbog, hörte ich sie über Interkom sagen: „Ach guck mal, man kann hier auch geradeaus fahren – ich bieg mal wieder ab“ und fort war sie. Ich stimmte ihr zwar zu, aber ich rechnete auch damit, daß sie, sobald unsere Routen wieder zusammenführten, auf mich warten würde. Alsbald konnte ich dann an dem endlich haltenden Bus vorbeifahren und hielt selbst an dem Punkt an, wo sich beide Wege, nach einem Kontrollblick auf die ausgezoomte Navi-Karte, treffen mußten. Igonia war noch nicht da – dachte ich. Ich suchte nach einem Schattenplatz zum Warten aber es war keiner da. Es wurde warm… Ach was, warm war es vorher schon – es wurde einfach verdammt heiß und ich wurde sauer. Der Bus fuhr wieder los und auf meiner zu fahrenden Strecke wieder an mir vorbei. Bingo, ganz großes Kino…

Nach 10 Minuten war Igonia immer noch nicht zu sehen, und ich kramte das Mobiltelefon raus um sie anzurufen. Es klingelte, aber sie ging nicht ran. Da sie erst kürzlich ein neues S6 bekommen hat, hatte ich noch keine Gelegenheit gehabt, es über Bluetooth mit ihrer Interkom zu koppeln. Einige Anrufversuche später schrieb ich ihr eine SMS, daß sie mich anrufen soll, wenn sie aufs Handy guckt und daß ich weiterfahren wollte, da sie nicht in die Verbindungsreichweite der Interkom kam. Kaum wieder auf der Straße, ich mußte mich mit dem Losfahren auch noch beeilen, da schon der nächste Bus von hinten auftauchte, klingelte es bei mir und Igonia war am anderen Ende der Leitung.

Zunächst erklärte sie entschuldigend, daß sie das Navi über ein paar Dörfer auf einem großen Umweg eine Straße hinauf in einen Berganstieg geführt hat. Dort hat sie angehalten um mich zu benachrichtigen. Wenigstens war ihr der enge Weg hinauf „unheimlich“ gewesen und als ich sie endlich erreicht hatte – von meinem Wartepunkt aus war sie etwas mehr als 5 Minuten entfernt – sagte sie sogar in ihrer Art von Humor ganz stolz, daß sie schneller gefahren wäre als ich, da sie ja eher an diesem Punkt angekommen sei. *Grummel* Jetzt muß ich darüber lachen, aber am Mittwoch fand ich das sowas von unlustig, vor allem, weil ich unnütz in der Sonne gestanden habe.

Köfte und Igonia wieder vereint
Köfte und Igonia wieder vereint

Ein letzter, zum Schmunzeln bringender Punkt geschah während unserer ersten Rast in Deutschland, auf dem Euro-Rastpark Achern. Für unseren Käsetransport erwarb Igonia eine Tüte Crushed Ice an der Tankstelle, und ich begab mich damit zum Topcase meines Motorrads um es in die Isoliertasche zum Käse zu packen. Die sehr aromatischen Käse haben auf dem Weg bis zum Rastplatz aber schon einige Zeit gehabt, um das Topcase mit ihrem Geruch zu füllen und so entwich diesem eine Duftwolke, die einigen toten Ratten am Straßenrand nicht unähnlich war – nur roch es eher wie ein Konzentrat dieses Eau de Tot. 😀 Eine junge Frau, die rauchend zwischen ihrem Auto und unseren Motorrädern stand, verlegte ihren Aufenthaltsort schlagartig auf die andere Seite ihres Autos und hatte es in der Folge sichtlich eilig, das Rauchen zu beenden und weiterzufahren. Also ich fand den Zigarettenqualm schlimmer. 😀

Dieser letzte Tag unserer Motorradwoche sah uns erneut knapp 10 Stunden auf dem Sattel und es war fast ernüchternd und langweilig, wieder zu Hause in der Wohnung zu stehen, auszupacken und zurück im normalen Leben zu sein.

Bei uns Beiden ist nach diesen paar Tagen auf dem Bike die Erkenntnis gewachsen, daß man beim Motorradfahren so richtig den Kopf frei kriegt. Wenn man intensiv unterwegs ist, gibt es nur die Konzentration auf das Fahren und das ist in vielerlei Hinsicht auch gut so. Das werden wir sicher noch ein paarmal wiederholen.

 

Ich muss ja nun auch mal zu Wort kommen (typisch Frau, ich weiß):

Meine Fresse! Was für ein Urlaub!!!!

Auf Reisen war mir zwar noch nie langweilig, aber den Sattel unterm Hintern und stundenlang über Kurven und Serpentinen die Berge hoch- und runterfahren – und dabei die herrliche Vogesenlandschaft an sich vorbeiziehen zu sehen – das war bislang vielleicht das Größte. Endlich weiß ich (oder habe so langsam eine Vorstellung davon) was den Biker dazu bewegt in seinem Urlaub den Lenker nicht mehr los zu lassen und die Reise über den Fahrspaß und über die Kurven zu definieren. Schöne Landschaften sind ein Superbonus obendrauf. Diese herrliche Spannung, die man bei jeder einzelnen engen Kurve in sich spürt, und die wohltuende Freude (ist es Stolz?) wenn man diese Kurve gut angefahren hat, die Schräglage ordentlich gepackt hat und fix wieder beschleunigen kann – all das ist unvergleichlich zu Allem bisher Erlebten. Und wenn man es nicht versäumt, gleichzeitig einen entgegenkommenden Biker noch lässig zu grüßen, dann hat man alles richtig gemacht. 

Bisher kannte ich das Kurvenfahren lediglich aus Sicht des PKW-Fahrers – gäähnn… Niemals zuvor habe ich wahrgenommen, daß Kurven wie Fingerabdrücke sind. Keine ähnelt der anderen und jede einzelne muss individuell eingeschätzt und mit voller Konzentration durchfahren werden. Jede, besonders die engeren, die uneinsehbaren oder anders heimtückischen, sowie die Hundskurven und erst recht die Spitzkehren sind eine ordentliche Herausforderung, die man als Biker sehr willkommen heißt, man sehnt sie sich regelrecht herbei. Ihr, die schon länger auf den Straßen unterwegs seid, erzähle ich nichts Neues, aber für mich ist das eine überwältigende Neu-Erfahrung.

Adrenalin pur wäre jetzt doch etwas übertrieben bei mir, ich fahre nicht am Limit, aber im Laufe der Vogesenkurven habe ich scheinbar einen gewissen Pegel erreicht, denn Müdigkeit beim Fahren ist trotz knapp 1000km in 3 Tagen nicht aufgetreten. Ich konnte den Hals gar nicht voll kriegen. Adrenalin pur hatte ich nur als ich bei 50-60kmh herausfand, dass das Tierchen (es schien 3cm groß zu sein) auf meinem Visier sich nicht vom Fahrtwind bewegte, sondern am Krabbeln war – und KREISCH!!!! innen am Visier sein musste. Ich hatte Horrorvisionen was dieses Insekt alles in meinem Gesicht anstellen könnte. Dann kam eine ordentlich enge Kurve und ich konnte erst recht nicht anhalten. Trotzdem haben das Tierchen und ich überlebt. Danach habe ich das Visier trotz der Wärme nur noch einen winzigen Spalt offengelassen. Man lernt ja nicht nur über die Kurven dazu…

Zu meinem Leidwesen habe ich es nicht geschafft, die Fußrasten auf den Boden zu kriegen, trotz etlicher zunehmend ernster Versuche. Was hab´ ich Köfte darum beneidet.  

Apropos. Köftes Routenplanung war genial, es hätte nicht schöner sein können, Raststopps inklusive. Schon jetzt bin ich total gespannt auf die Strecken im nächsten Urlaub. Wenn es nach mir ginge (und wenn der Alltag mit seinen vermaledeiten Verpflichtungen nicht wäre) würde ich schon heute die nächsten Serpentinen ins Visier nehmen. Bis es soweit ist, versuche ich herauszufinden, zu was die Schräglagen im Alltag nützen können. Eine Perspektivenänderung hat noch niemandem geschadet.

Eure Igonia

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