Kauf da nicht!  – Über schlechte Erfahrungen beim Motorradkauf

Lange habe ich überlegt, ob ich über meine Motorrad-Kauferfahrungen, bei einem autorisierten Kawasaki Händler in Frankfurt Kalbach, in diesem Blog etwas schreiben soll.

Sehr wohl ist mir bewußt, daß eine schlechte Kritik, vor allem bei Nennung des Namens eines Unternehmens, viele andere potentielle Käufer davon abhalten kann, sich bei diesem Unternehmen überhaupt umzusehen.

Auf der anderen Seite bin ich mir auch im Klaren darüber, daß meine Erfahrung nur eine von vielen ist, denn wenn ein Unternehmen ausschließlich solche Leistungen beim Verkauf eines neuen oder neuwertigen Motorrads zeigen würde, wie es in unserem Fall geschehen ist, wäre es schon längst nicht mehr im Geschäft, weil sich deren Verhalten in der Szene wie ein Lauffeuer verbreiten würde.

Aus der Vergangenheit heraus kann ich auf Erfahrungen beim Neufahrzeugkauf zurückblicken und aus diesem Grund habe ich mich heute dazu entschlossen, nachdem ich einen weiteren Punkt meiner Kritik festgestellt habe, einen umfassenden Bericht über die unglaublich schlechten Leistungen des HM-Motorradhaus, Kawasaki und KTM Händler in Frankfurt Kalbach zu verfassen. (Versteht bitte, daß ich diesen Betrieb nicht verlinke, die Webadresse könnt ihr leicht ergooglen)

Ein Motorrad muß her

Ende Januar 2016 entschieden wir uns zum Kauf eines weiteren Motorrads. So wie es wohl immer und überall der Fall ist, begann es mit der Suche nach einer passenden Maschine. Die neue Fahrerin benötigte ein Motorrad mit besonders niedriger Sitzhöhe. Selbst die klassische Fahrschulmaschine, die Kawasaki ER6n, hatte in der abgepolsterten Sitzhöhe noch eine zu große Sitzhöhe um das Motorrad im Stand sicher halten zu können.

Wir hatten uns schon zuvor bei einem anderen Händler umgesehen, wurden jedoch nicht fündig. Also betrachteten wir zunächst die gebrauchten Motorräder im Obergeschoß des HM Motorradhauses. Ursprünglich waren wir uns einig, daß es, genau wie für mich als Anfänger vor einem Jahr, unbedingt ein Gebrauchtmotorrad sein sollte. Nach einigen Sitzproben, auf optisch schon recht niedrig aussehenden Maschinen, konnte jedoch keine überzeugen. Folglich entschieden wir zunächst, noch andere Händler aufzusuchen.

Beim Hinabsteigen der Treppe, wieder zurück ins Untergeschoß, wo auch die Neumotorräder standen, entdeckte ich eine ER6n, auf dem auch die Fahrschule unseres Vertrauens ihre Motorradausbildung betreibt. Vor dem Spaß auf dem neuen Motorrad muß die neue Fahrerin ja auch den Führerschein machen.

Da in diesem Bericht keine realen Namen nennen möchte, nehmt bitte zur Kenntnis, daß ich alle Namen, bis auf den des Motorradhauses, frei erfinde.

Natürlich lockte unser vermeintliches Interesse an einer neuen Maschine, ausgelöst durch eine Sitzprobe auf der ER6n, den Verkäufer August auf den Plan. Ursprünglich war die Sitzprobe nur dazu angedacht, die Sitzhöhe auf der Fahrschulmaschine einzuschätzen. Da es sich hier um eine Ausführung mit normaler Sitzhöhe handelte und wir auch nicht so richtig Zeit hatten, uns darüber zu besprechen, bis der Verkäufer kam, verlief unser Vorhaben jedoch im Sand.

Auf Augusts „Kann ich euch was helfen?“ antwortete ich zunächst eher höflich als interessiert, daß wir nur mal eine Sitzprobe wegen der Höhe gemacht haben, aber diese Ausführung wohl einfach zu hoch ist. Ohne es auszusprechen hängte ich gedanklich noch an, daß wir eh keine neue Maschine kaufen würden und ein Naked Bike schon mal gar nicht (Ja, Geschmacksache, aber unser ist nun mal so).

Gedanklich bereits auf dem Weg zum Ausgang erwähnte August, daß da vorne, begleitet von einer zeigenden Handbewegung, noch eine Maschine stehen würde, die eine besonders niedrige Sitzhöhe habe, inklusive einem „Easy-Reach“ Umbau, der für eine weitere Reduzierung der Sitzhöhe für sehr kleine Fahrer/innen gedacht ist.

Das Verkaufsgespräch

Mein erster Blick viel auf das Preisschild und mit knapp unter 8000 Euro war unser gedachtes Budget für eine Anfängermaschine so ungefähr um 250 bis 300% überschritten. Eine erste Sitzprobe ergab jedoch, daß der erwähnte Umbau absolut seinen Zweck erfüllte und die Bauart der Maschine, es handelte sich um eine Vulcan S ABS, Baujahr 2015, der neuen Fahrerin sehr gefiel. Daß die Farbe des Motorrads, lila in Kristalleffekt, zufällig auch noch deren Lieblingsfarbe ist, war zwar entgegen vieler Klischees nicht kaufentscheidend, aber zu einer leichten Erhöhung des Interesses hat dies natürlich schon ein wenig beigetragen. Die ausgestellte Maschine war ein Vorführmotorrad mit knapp 350 Kilometern auf dem Zähler. Als zusätzliche Ausstattung waren der schon erwähnte Easy Reach Umbau, was außer der heruntergesetzten Sitzhöhe einen modifizierten Lenker, der mehr Richtung Fahrer geneigt ist, als der Serienlenker, beinhaltet, ein Motorschützbügel von Hepco Becker, der in schwarz matt lackiert war, sowie eine Sissybar mit Gepäckablage, ebenfalls von Hepco Becker, bereits werksseitig montiert.

Abgesehen von den üblichen Verkaufsphrasen kann ich mich noch ganz deutlich an Augusts Bemerkung erinnern, daß wir jetzt noch eine gute, sozusagen freie Auswahl an allen Modellen hätten, aber sobald die Saison losgehe, würden solche „Spezialausführungen“ sehr schnell „vergriffen“ sein. Trotz Aufgeklärtheit über Verkaufstaktiken und einer sehr guten Vorstellung, von dem was wir wollten, ließ uns diese Aussage nicht ganz unbeeindruckt, denn bereits Ende Januar konnten wir feststellen, daß Motorräder mit sehr niedriger Sitzhöhe nicht so einfach zu finden waren.

Die Kaufentscheidung

Wir baten schließlich um Bedenkzeit und um eine Kaufoption für zwei Tage. Diese wurde anstandslos gewährt und wir konnten uns ausführlich darüber beraten, ob der Schwenk zum Kauf eines neuen Motorrads und alle daran hängenden Folgen für uns in Frage kam.

Um es kurz zu machen: Einer der Hauptgründe, sich für den Kauf zu entscheiden, war, daß eine neue Maschine technisch im Top Zustand ist und daher für einen Anfänger eine Art von Sicherheitsreserve mitbringt. Dann passen noch die Sitzhöhe und das Aussehen.  So kam es also doch dazu, daß es diese Maschine sein sollte!

Vor dem Kauf bemühte ich noch die einschlägig bekannten Verkaufsportale für Autos, bei denen man auch nach Motorrädern suchen kann, um Vergleichsangebote. Tatsächlich wurde ich auch fündig und fand bei einem Händler in Hamburg eine baugleiche Maschine mit gleicher Laufleistung, allerdings ohne Easy Reach Umbau, Motorschutzbügel und Sissybar. Diese Maschine sollte lediglich 6500 Euro kosten. Der noch durchzuführende Umbau würde laut Information auf meine Nachfrage mit 1000 bis 1200 Euro zu Buche schlagen. Damit wäre dieses Motorrad um mindestens 300 Euro billiger, obwohl der Umbau nicht werksseitig, sondern nachträglich durchgeführt werden würde.

Der Kaufvertrag

Mit diesem Wissen begab ich mich also am letzten Tag der Kaufoption zum HM Motorradhaus und begann die Kaufverhandlungen. Mir war klar, daß eine Fahrt nach Hamburg und der Transport nach Frankfurt, die gesparten 300 Euro komplett auffressen würde. Davon ganz abgesehen wäre es sehr umständlich, die Kaufabwicklung, die optische Begutachtung und eine eventuelle Probefahrt durchzuführen. Es lag mir also nicht wirklich an einer deutlichen Preisreduzierung, sondern eher an der Zugabe eines weiteren Ausstattungsgegenstandes, dessen Wahl ich durchaus HM überlassen würde.

Auf meine erklärende Einleitung, betreffend meines Rechercheergebnisses, unter Vorlage des echten Angebots auf der mobile.de App, erhielt ich jedoch, zu meinem völligen Unverständnis, die Antwort: „Dann mußt du in Hamburg kaufen. Denk aber dran, daß du dann zu Garantiearbeiten auch immer dort hinmußt“. Ich dachte erst, ich höre nicht richtig. Absolut keine Verhandlungsbereitschaft und Null-Bock-Mentalität betreffend der Führung einer solchen. Wenn ich nun zurückblicke, hätte ich in diesem Moment gehen sollen, aber wie so oft im Leben ist nicht immer die Vernunft daß kleine Vögelchen, daß einem auf der Schulter sitzt und ins Ohr trällert. Motorradkauf ist zu einem großen Teil auch Emotion und so versuchte ich mein Ziel anders zu erreichen. Ich entgegnete, „Ich will die Maschine doch jetzt nicht für Sechseinhalb von euch. Baut mir doch einfach ein „Scheibchen“ vorne dran und dann bin ich doch zufrieden.“ Erneut gab es eine unfaßbare Antwort: „Eine Scheibe? Weißt du was die von Kawasaki kostet? Da sind ja gleich mal 800 Euro fällig.“ So etwas hatte ich noch nicht mal im Kopf. Von meiner ST 1100 weiß ich, daß die hohe MRA Scheibe auch billiger ist, als die normale Original Honda Scheibe. „Wer sagt denn“, entgegnete ich erneut, „daß die von Kawa sein muß. Bau doch eine aus dem Zubehör drauf“. Wenigstens dazu erklärte sich August nun bereit. Wir fertigten also einen Kaufvertrag an, in dem zum Glück diese Scheibe erwähnt wurde, und ich zahlte 1000 Euro an. Das geschah am 28.01.2016. Vereinbart wurde weiterhin die kostenlose Unterstellung im Motorradhaus bis zur geplanten Zulassung im April. Es war also genug Zeit, die Scheibe zu besorgen und einzubauen. Der Brief würde uns nach Zahlung des Restbetrags übergeben werden.

Die Erwartungen

Nach der Restzahlung am 24.03.16, die ich auch telefonisch bekanntgab, erwartete ich den Fahrzeugbrief, Eingang in unserem Briefkasten, unter Berücksichtigung der Osterfeiertage, ungefähr am 1. April. Das Angebot des Zulassungsservice durch HM schlug ich aus, weil ich sicherstellen wollte, daß wir unter einer Auswahl an Wunschkennzeichen auch das bekommen würden, was uns am meisten gefiel.

Am 4. April traf der Brief noch nicht ein und so sah ich mich zu einem Anruf bei HM gezwungen. Ob ich dabei nun August oder einen anderen seiner Kollegen am Telefon hatte, ist mir nicht mehr bekannt, jedoch wurde mir eröffnet, daß der Brief noch nicht verschickt worden sei, weil noch 136 Euro offen sein. Schon ahnend, worum es dabei ging und mit deutlich geschwollenen Halsschlagadern, bemühte ich mich, die Fassung und den Ton zu wahren in dem ich sagte: „Jetzt erzähl mir nicht, daß das für die Scheibe ist“. „Ja, genau, da ist noch eine PUIG Scheibe offen sehe ich gerade“. Keine Ahnung wie, aber mir gelang es, ruhig auf den Kaufvertrag hinzuweisen, in dem glücklicherweise die Scheibe erwähnt war. Nach einem Rückruf, den ich dann wenige Minuten später erhielt, gestand man den Fehler ein und versprach, daß der Brief nun ausgestellt werden würde, und sobald er angekommen wäre, würde man ihn an mich weiterleiten. Damit das nicht auch noch schiefgeht, bat ich lediglich um Anruf, damit ich ihn mir abholen kann. Mittlerweile war ich schon leicht sauer auf „diesen Laden“ aber es war ja noch längst nicht alles, was mich dort noch erwarten sollte.

Die Zulassung

Am 06.04. konnte ich unser neues Motorrad also endlich zulassen. Die Erstzulassung war übrigens der 11.09.2015. Die freundliche Dame auf der Zulassungsstelle erklärte mir unter anderem, daß aus einem Grund, der mit dem TÜV zusammenhängt, eine Vorführung des Motorrads erforderlich ist. Einen Hinweis darauf habe ich vom Verkaufspersonal von HM nicht erhalten. Dort hat man vielleicht nur alle paar Monate mal eine Zulassung und vergißt so was auch mal schnell. Anders kann ich mir das Ausbleiben einer entsprechenden Information an den Kunden jedenfalls nicht erklären. Glücklicherweise war an dem Tag, als ich bei der Zulassungsstelle war, aus personellen Gründen die „Vorführungsstelle“ nicht besetzt und es wurde auf die Vorführung unseres Motorrads verzichtet.

Die Fahrzeugübergabe

Jetzt geht’s erst richtig los. Bis zu diesem Zeitpunkt wäre ich noch bereit gewesen, alles zu vergessen, wenn der weitere Service gestimmt hätte und die Überhabe so gelaufen wäre, wie ich es erwartet habe.

Da stellt sich zunächst die Frage: „Hat der Köfte vielleicht spinnerte Erwartungen, die überhaupt nicht üblich sind?“ Ich hoffe nicht, denn das, was ich bei der Übergabe eines neuen Fahrzeugs, egal ob Pkw oder Motorrad, erwarte. ist folgendes.

  • Eine Übergabeinspektion mit Kontrolle aller Flüssigkeiten und initialer Erledigung sämtlicher durch den Fahrer durchzuführenden Wartungsarbeiten
  • Hinweis auf die durchgeführten Arbeiten und zumindest das Angebot, die durch den Fahrer durchzuführenden Wartungsarbeiten zu vermitteln.
  • Einweisung in die Einfahrvorschriften
  • Grobe Erklärung der Instrumente und Anzeigen
  • Zeigen des Bordwerkzeugs bzw. eine Erklärung wie man es findet
  • Übergabe des Fahrzeugs laut Kaufvertrag

Die Realität bei der Übergabe war jedoch eine ganz andere. Es begann schon damit, daß ich seit der Abholung des Briefs bei HM August nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Seit diesem Zeitraum wurde ich ausschließlich von Max bedient und mangels des Auffindens von August hielt ich mich fortan auch weiterhin an Max.

Als wir also von der Zulassungsstelle zum Motorradhaus fuhren, war das Motorrad noch nicht zur Übergabe bereitgestellt. Wir warteten einige Minuten und schauten uns einfach ein wenig in der Ausstellung um, als Max uns schließlich die Papiere überreichte, die tatsächlich vollständig waren, und mit einem Fingerzeig hinter uns darauf hinwies, daß unsere Maschine dort stand. Die Kennzeichen waren mittlerweile angeschraubt aber trotzdem hielt ich das Ganze zunächst für einen Scherz. „Was ist mit der Scheibe?“ fragte ich, denn die vor uns stehende Maschine hatte keine.

„Ja, wie?“, entgegnete Max, „Hat August euch nicht informiert? Die ist doch nicht lieferbar.“ Was soll man dazu noch sagen? Es war über 8 Wochen Zeit diese Scheibe zu besorgen und HM hat es nicht auf die Reihe gekriegt, sich darum zu kümmern. Zudem läßt die Tatsache, daß der Brief zunächst wegen der „offenen“ Scheibenrechnung nicht ausgestellt wurde, darauf schließen, daß die Scheibe wahrscheinlich überhaupt nicht bestellt wurde, da sie „noch nicht bezahlt“ war. Jetzt ging mir wirklich der Hut hoch. „Jetzt mal ganz im Ernst, Leute, ihr habt 2 Monate Zeit gehabt, diese scheiß Scheibe anzubauen und kriegt es nicht auf die Reihe, daß zu erledigen? Was denkt ihr denn, wann ich diese Scheibe bekommen soll? Die Scheibe steht als Ausstattung im Vertag und ich will die jetzt so schnell wie möglich haben!“ rief ich unüberhörbar gereizt aus. Max versprach mir daraufhin, daß ich spätestens Ende April diese Scheibe haben würde. Damit ließ ich mich zunächst beruhigen.

Er schob die Maschine aus dem Laden auf den Firmenparkplatz, stellte sie auf den Seitenständer, sagte „So, da ist sie“ und erwartete wohl, daß ich mich nun darauf setzen würde, um sie für die noch führerscheinlose neue Besitzerin heim zu fahren. Meine anschließende Aufforderung „Erklär mir doch mal was zu der Maschine“, vor allem in Hinblick auf die anwesende zukünftige Fahrerin, hat ihn wohl vollkommen überfordert. Zögerlich begann er, mir die Funktionen der Griffarmaturen zu erklären, was wohl gleich nach der Erklärung, wie man den Zündschlüssel einsteckt, eine der nutzlosesten Informationen gewesen wäre.

Also fordert ich ihn auf, weil ich hinter der Soziussitzbank eine Innensechskantschraube sehen konnte, zu erklären, wie ich die Sitzbank abkriegen würde, weil ich davon ausging, daß darunter das Bordwerkzeug liegt. Die folgende Reaktion war schon fast zum Lachen. „Ja, hm. Ich glaube, da muß man hier den Deckel abnehmen“ und er versuchte ungeschickt bis hilflos den Batteriedeckel abzunehmen, „und dann kommt man hier an den Sechskantschlüssel ran.“ Dieser Schlüssel ist wirklich dafür vorgesehen, die Soziussitzschraube zu lösen. Den Sitz kann man dann abnehmen, die Soziussitzhalterung abschrauben und dann die Sitzbank abnehmen. Darunter befindet sich schließlich auch tatsächlich das Bordwerkzeug. So hätte Max es uns erklären oder zeigen sollen. Nach dem Abnehmen des Soziussitzes, unter dem lediglich das Schutzblech zu sehen war, sagte er aber „Da ist jetzt nichts drunter und unter der Sitzbank ist auch nichts“ und schraubte den Soziussitz wieder fest. Von der Tatsache, daß man den Motor auf den ersten 800 Kilometern nicht höher als 4000 und auf den zweiten 800 Kilometern nicht höher als 6000 Umdrehungen drehen soll, erfuhr ich übrigens auch erst durch die Bedienungsanleitung. Bei einem Motorrad, daß erst ab 5000 Umdrehungen so richtig Spaß macht, ist dies um so wichtiger zu wissen.

Angesichts dieses völligen Unvermögens, einem Kunden die frisch erworbene Maschine zu erklären, gab ich es auf und beschloß, sobald ich zu Hause war, die Bedienungs- und Wartungsanleitung vollständig durchzulesen um die Informationen zu bekommen, die ich von einem qualifizierten Verkaufspersonal nicht bekommen kann – lassen wir das „qualifiziert“ mal so stehen und unterstellen nicht, daß es (das Personal) sich im Umgang mit den Kunden nicht auf die ersten 4 Buchstaben dieses Wortes beruft.

Der Heimweg

Der Weg vom Motorradhaus bis zur Tiefgarage, in der ich das Motorrad abstellen wollte, ist gerade mal 8 Kilometer lang. Bevor ich diese erreichte wurde ich durch heftiges Lichthupengewitter in den Rückspiegeln unsanft aus meinem Zweizylinder-Auspuffgeknatter-Tagtraum gerissen. Immer noch leicht genervt von dem absolut nicht zufriedenstellenden Verhalten des HM Verkäufers fragte ich was denn los sei. Der Fingerzeig auf das Kennzeichen, den ich zur Antwort erhielt, offenbarte mir, daß dasselbe wohl lieber eine Schiffschaukel darstellen wollte, denn es baumelte, nur noch an einer Schraube hängend, lustig hin und her. Ich verkneife mir nun die Wiedergabe weiterer Emotionen oder Gedanken, denn ich bin sicher, auch ihr würdet das nicht mehr lustig finden. Ja, diese dämliche Schraube ist ja eigentlich ein Klacks, aber es garniert die grottenschlechte Leistung in Service und Verkauf noch mit einem Sahnehäubchen aus Vogelscheiße. Also gleich wieder zurück nach HM. JETZT war man auch in der Lage, das Kennzeichen mit selbstsichernden Muttern anzuschrauben. Was ein Luxus…

Matt-Scheibe

In der Folge erwartete ich dann einen Anruf, daß die versprochene Scheibe endlich angebaut werden kann. Mittlerweile hatte ich so wenig Vertrauen, daß ich die Scheibe einfach nur abholen und selbst einbauen wollte. Für mich stand längst fest, daß mich dieser „Laden“ nach dem Erhalt der Scheibe weder als Käufer, noch als Service-Kunde jemals wiedersehen wird. Das einzige, was ich mir vorstellen kann, ist die Gebrauchtausstellung zu besuchen um sich optisch über ein Modell zu informieren.

Am 20. April schließlich war ich mit meiner eigenen Maschine nach dem Frühdienst im Taunus unterwegs und beschloß, auf dem Rückweg bei HM vorbei zu fahren und mich nach der Scheibe zu erkundigen. Als hätte mich der Zufall dazu gedrängt dies zu tun, konnte ich an der Ersatzteiltheke ein Gespräch zwischen Max und Egon, der wohl entweder die Werkstatt oder das Lager, vielleicht auch beides, leitet, mithören. Dabei ging es um einen Kunden, der auf einer Vulcan S genau so eine Scheibe angebaut kriegen sollte, wie ich sie zugesagt bekommen hatte. Dann ging es noch um eine weitere Scheibe gleichen Typs, so wie ich es verstanden habe, für einen Angestellten des Hauses.

Daraufhin klinkte ich mich ein und bemerkte nach einer Erklärung meines Anliegens, daß ich ja dann wohl meine Scheibe endlich bekommen bzw. mitnehmen könne. Erstaunt sah man mich an und eröffnete mir nach einiger Suche in den elektronischen Wirren des Ersatzteillagers, daß meine Scheibe überhaupt nicht bestellt sei. Ich holte gerade tief Luft als Max etwas von einer Scheibe in Mattschwarz im Minusbestand erzählte, die aber trotzdem „da“ sei und bot an, daß sie mir noch heute eingebaut werden könnte. Zur Not würde er das auch selbst machen, wenn die Werkstatt überlastet sei. Da mir zu diesem Zeitpunkt noch kein Drehmomentschlüssel, für die Halterung, die an der Gabel befestigt wird, zur Verfügung stand und ich gerade an diesem Teil keine Beschädigung aus Unachtsamkeit riskieren wollte, ließ ich mich darauf ein, die Scheibe anbauen zu lassen. Fix fuhr ich heim und tauschte das Motorrad um schnell wieder zu HM zurück zu fahren, denn die Öffnungszeit näherte sich bereits dem Ende zu. Der Einbau wurde dann tatsächlich unkompliziert und schnell erledigt. Offensichtlich geht es auch mal vorbildlich…

Der Auslöser für meine Entscheidung, den Bericht zu schreiben

Zugegeben habe ich mangels Erfahrung mit kettengetriebenen Motorrädern bisher keine Erfahrung bei der optischen Beurteilung des Kettenspiels. Ich habe zwar bei der Lektüre der Bedienungs- und Wartungsanleitung die Spielmaße registriert, bin aber davon ausgegangen, daß HM eine Übergabeinspektion, zumindest eine Übergabedurchsicht, durchgeführt hat und sich um solche Details gekümmert hat. Bei der Übergabe hat das Motorrad 348 Kilometer auf dem Tacho gehabt. Jetzt, nach einigen Transferfahrten zum Fahrschulgelände und zurück, sowie einigen Fahrschulstunden, sind es gerade mal 500 auf dem Kopf. Da ich heute zur Nachtschicht muß, habe ich mir am Vormittag mal die Zeit genommen, die Anzeigen auf gescheite Details umzustellen (l/100km anstatt km/l). Bei dieser Gelegenheit habe ich auf mal grob mit dem Zündschlüssel das Kettenspiel „prüfen“ wollen und war richtiggehend erschrocken, als sich die Kette locker 5cm heben ließ. Das zulässige Spiel laut Anleitung ist 1 bis 2 cm. Mich wundert, daß da nichts überspringt und ich könnte mich erneut selbst ohrfeigen, diesem Laden überhaupt nur eine Winzigkeit beim Kauf dieser Maschine getraut zu haben. Ich behaupte mal, daß diese Kette, seit der Auslieferung aus dem Werk, noch nie gespannt wurde. Das überhaupt einem potentiellen Kunden ein Motorrad in solch einem Zustand zur Probefahrt angeboten wird und noch schlimmer, daß es so verkauft wird, ist für mich unfaßbar. Diese letzte Erfahrung hat bei mir das Faß zum Überlaufen gebracht.

Das Fazit

Mit meinem Bericht will ich nicht mutwillig einem alteingesessenen Betrieb schaden. Es geht mir darum, potentielle Käufer für die Anzeichen von schlechter Beratung und schlechtem Service zu sensibilisieren und so auf die nötige Geltendmachung ihrer berechtigten Interessen und Erwartungen vorzubereiten, wenn sie sich bei diesem Händler ein Motorrad zulegen möchten.

Unsere Kawa wird diesen Betrieb niemals wiedersehen. Auch dann nicht, wenn es für den Fall, daß ein Verantwortlicher von HM von diesem Bericht erfährt, zu einem Ausdruck des Bedauerns kommen sollte. Das Vertrauensverhältnis ist für mich soweit beschädigt, daß ich niemanden guten Gewissens ein Motorrad zur Verfügung stellen möchte, das in einem Betrieb gewartet wurde, wo mit den Kunden schon beim Verkauf so schlecht umgegangen wird. Wahrscheinlich trifft es die Werkstatt, mit der ich bis auf das kleine Malheur mit der Kennzeichenschraube und der Montage der Scheibe keine Berührungspunkte hatte auch zu unrecht. So wie es sonst aber eher umgekehrt der Fall ist, nämlich daß eine schlechte Werkstattleistung beim nächsten Kauf zu einem anderen Händler führt, ist es dieses Mal eben anders herum.

Meiner Meinung nach steht hier Geld sehr deutlich vor der Kundenzufriedenheit und damit möchte ich mich weder zufrieden geben noch dies kommentarlos hinnehmen. Daher habe ich diesen Beitrag verfaßt. Die Beschwerdemöglichkeit über die Kawasaki Homepage habe ich übrigens längst genutzt. Eine Reaktion darauf blieb bisher aus.

So und jetzt male ich ein großes „Buuuuh!“ Plakat, klebe es an mein Top Case und fahre damit bei HM den Parkplatz hoch und runter. 😉

7 Gedanken zu “Kauf da nicht!  – Über schlechte Erfahrungen beim Motorradkauf

  1. Das ist ja der Hammer.
    Vermutlich nicht die Regel, aber vertrauenvernichtend.
    Dank Deines Beitrages weiß nun jeder potentieller Käufer, der diesen Beitrag gelesen hat, worauf er achten sollte. Ganz gleich welches Fabrikat, Herstelller oder Modell erworben werden soll.
    ….zumal ein Kauf auf ein Bauchgefühl heraus entschieden wird…
    Danke für das Runterholen auf den Boden der Realitäten.
    herzlichst
    Hendrijk

  2. Hallo
    Ich habe soeben dein Blog gelesen.!
    Auch ich habe aktuell eine heftige diskusion mit diesem Motorradhaus. Hier geht es um versprochene und bezahlte Leistungen, welche nicht erledigt wurden. Versprechungen bei dem Kauf meiner Honda im Dez.2015. Nun steht mein Fahrzeug seit 4 Wochen zerlegt dort wohl mit einem versteckten Motorschaden.
    Nur Bla bla bla von HM FFm. Kundenservice gleich Null…nur Geldgier. Werde nun mit dem Anwalt und Gutachter die Sache genau durchleuchten. Hier geht es zwar nur um knapp 2000 Euro !! Für mich viel, das ist auch eine Sache des Prinzipes. Nach gefahrenden 3000km und 8 Monaten ein Motorschaden.
    Mal schauen was dem HM Motorradhaus IHR „RUF“ wert ist.?
    lg

    • Bei dem Preis und da es keine Kawa ist, gehe ich mal von einer gebrauchten Maschine aus. 3000 Kilometer sind wirklich nicht viel. Wie lange geht denn die Gewährleistung bei Gebrauchtmotorrädern? Allein darüber wäre doch was zu machen, oder gilt die nur für ein halbes Jahr? Wie dem auch sei, ich hoffe du kommst zu deinem Recht.

  3. Hallo, habe mir deinen Bericht komplett durchgelesen und mit jeder weiteren Zeile auf den „Hammer“ gewartet von dem du uns berichten willst. Mit Sicherheit ist hier nicht alles top gelaufen und es besteht ein gewisser Verbesserungsbedarf. Allerdings sehe ich bei den ganzen Geschreibsel nur ein richtiges Problem. Du hast dich maßlos darüber geärgert das es in HH das gleiche Motorrad für einen geringeren Preis zu kaufen gab und die Firma HM dir nicht entgegen kam. Darauf hin versuchst du jede Kleinigkeit aufzubauschen und schlecht zu machen. Geh mal in dich und frag dich, ob das auf diese Weise so ok ist. Natürlich hat man es lieber wenn es perfekt läuft, aber man muss auch Abstriche machen können. Du scheinst doch ein erfahrener Biker zu sein der sich ausführlich informiert. Da hättest du am Anfang schon einhaken müssen als dir der Verkäufer gesagt hat das du wegen Garantiearbeiten nach HH musst. Das ist natürlich so nicht richtig. Das müssen natürlich auch andere Vertragshändler abhandeln. Wenn auch oft zähneknirchend.
    Wenn ich ein Fazit aus deinem Bericht ziehen müsste, wäre es so das ich für den Fall das ich Motorradhändler wäre, dich nicht als Kunden begrüßen möchte.
    Wünsche dir trotzdem allzeit gute Fahrt.

    • Hallo Thorsten.

      Danke für deinen Kommentar, ich schätze deine Meinung sehr. Möglicherweise stellt das folgende ein paar Dinge verständlicher dar:

      Geld hat nicht die übergeordnete Rolle gespielt, sonst wäre es kein neues, sondern ein gebrauchtes Motorrad geworden, zumal klar sein dürfte, dass die Abholung und der nachträgliche Umbau für die Sitzhöhe die Ersparnis aufgefressen hätte.

      In der Tat geht es hier um viele Kleinigkeiten, die ich in der Summe für ein unmögliches Verhalten halte.

      Wenn es ein markenfremdes Gebrauchtmotorrad gewesen wäre, hätte ich das auch noch hinnehmen können, aber nicht beim Neufahrzeugkauf bei dem sich der Händler dem Kunden als kompetenter Servicepartner für die viel lukrativeren nachfolgenden Servicearbeiten präsentiert.

      Mittlerweile habe ich einen Vertragshändler gefunden, der mich als Kunde so behandelt, wie ich es mir vorstelle.

      Ich wünsche dir ebenfalls allzeit gute Fahrt und eine schrott- und bullenfreie Saison 2017.

    • Wieso hat der Verkäufer überhaupt gesagt, daß er wegen der Gewährleistung nach Hamburg fahren muß?, weiß er als kompetender Verkäufer über sowas nicht bescheid?

  4. NIE WIEDER!!!

    Meine Erfahrung bei HM zwischen ende November 2016 – ende Februar 2017

    Ich habe 2 nagelneue Motorräder gekauft und auch gleich bar bezahlt. Jetzt im Nachhinein hätte ich gerne alles ungeschehen gemacht, denn Motorradkaufen sollte Spaß machen.
    Wer ein Motorrad von der Stange kauft, bar bezahlt und am besten auch gleich selber zuläßt, kann sicherlich ein Motorrad erwerben, in dem Glauben von Verkäufern bedient worden zu sein, die sehr kompetent und freundlich sind.
    Der Laden ist ja auch sehr schön und mit Kaffee und anderen Getränken kommt man sogar in Einkaufslaune.

    Nur sobald man aber die Verkäufer mit vielen Extras heraus fordert, hat man sie überfordert.
    Da erkennt dann auch der Laie, daß Kompetenz und Freundlichkeit nur aufgesetzt sind. In Wirklichkeit werden vom Kunden erteilten Aufträge nur sehr mangelhaft ausgeführt, wie z.B. zum wiederholten male nicht komplett ausgeführten Arbeiten an den Maschinen, die der Kunde vor Ort erst selbst heraus finden mußte (sehr mangelhafter Kommunikation zwischen dem Verkäufer und Hauseigener Werkstatt!).
    Meiner Meinung nach sollte der Kunde erst nach der, vom Verkäufer gemachten Abnahme informiert werden. Wir sind meißtens auch Berufstätig und haben unsere Zeit nicht gestohlen!
    Meine Bitte, die Originalteile der beiden Maschinen, die durch Zubehör ausgetauscht wurden mir schon mal zusammenzustellen, damit ich nicht immer Leerfahrten habe, kam der Spruch „ Normal geben wir die Originalteile nicht mit!“. Auch nicht, wenn im Vertrag diese Teile nicht verrechnet sondern separat bezahlt wurden? Und etwas Günstiger bedeutet für mich Angebot, keine Verrechnung. Zumindest wollte man mir die Herausgabe nicht versprechen (und schon fühlt man sich nicht mehr gut aufgehoben).
    Offenbar durch den Austausch der Kupplungshebel an der größeren Maschine ließen sich die Gänge bei meiner 1. Fahrt nicht richtig schalten.
    Der „kompetente Verkäufer“ hatte natürlich gleich eine Vermutung „der Motor ist noch zu neu?!“. Seine auf Bestätigung erhoffte Frage an einem von der Werkstatt wurde nach dem 2. Mal nur widerwillig mit „ich weiß nicht“ beantwortet.
    Warum habe ich das gleiche Problem nicht auch bei der Kleinen?, „ja, da ist der Motor klein, kommt nur bei größeren vor!“ (Wohl gemerkt ich kaufe nicht zum 1. Mal neue, große Motorräder!).
    Mich wundert es, das die Farbe nicht auch noch eine Rolle gespielt hat.
    Diese, meine Vermutung, das die Kupplung vielleicht nur nachgestellt werden muß, meldete ich per email, dieser wurde erst gar nicht beachtet und viele andere eMails immer nur zur Hälfte, was natürlich zu unnötigen Nachfragen führten. Die beidseitige Spannung dadurch und die Verunsicherung des Kunden nicht ernst genommen zu werden wuchs natürlich.
    Nochmals vor Ort machte ich eine weitere Probefahrt und stellte dabei selbst die Kupplung ein und schon war das Problem gelößt.
    Dem Verkäufer aber paßte es scheinbar nicht, das damit seine These widersprochen wurde. Nun soll ich es gewesen sein, der schon bei der 1. Fahrt die Kupplung verstellt hat und er konnte sofort sehen, das die Einstellung nicht normal ist.
    Das einzige, was ich beim 1. Mal verstellt habe, ist der Gasregler, da er keinen Chook hat und der kalter Motor mir nicht gleich absaufen sollte, dieses sagte ich ihm aber auch gleich.
    Die Zulassung, das ich damals noch einem anderem Verkäufer überließ bereue ich noch heute.
    Durch eine Verwechselung der EVB-Nr., das eigentlich unmöglich sein sollte, da ich eine Neue, eine Woche vor Zulassung per eMail, telefonisch und vor Ort bekannt gegeben und es absegnen lassen hatte, wurde doch die falsche genommen. Das Problem wurde auf mich abgewälzt.
    Das Durcheinander dadurch und der Aufwand waren Enorm, da ich es erst nach einer Weile auf Anfrage nach den Papieren bei der Versicherung herausfand!
    Vom verantwortlichen Verkäufer bis heute keine Entschuldigung aber Schuldzuweisungen. Fehler sind ärgerlich aber menschlich. Eine Entschuldigung hätte vieles wieder gut gemacht.
    Wie gesagt, Professionell sieht anders aus.
    (Übrigens: Meine eMails an die Verkäufer waren natürlich nicht so lang, wie diese Hier. Da war alles auf das Nötigste beschränkt!)
    Ach ja, laßt euch auf mündliche Absprachen nicht ein. Alles und noch so jede Kleinigkeit schriftlich niederlegen. Auf Selbsterklärendes sich nicht verlassen. Besser eine Nacht drüber schlafen, bevor man unterschreibt.

    Schade, mir sind meine beiden Maschinen irgendwie Unsympathisch geworden 🙁

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