SS 1600K – 16/24 vom 16. bis 17.04.2016

Heute, da ich beginne, meine Eindrücke von diesem Ride auf Papier zu bringen, sind bereits 9 Tage vergangen, vor denen wir uns zu fünft auf den Weg gemacht haben. Wir, das sind Rainer aus Donsbach bei Dillenburg, Eddy und Susanne aus Wiesbaden-Breckenheim, die als Paar für den BMRC mit dabei waren, sowie Klaus aus Karben und meine Wenigkeit, die für die Hexi Bikers auf diese Fahrt gegangen sind.

Zurückblickend auf die Zeit von der ersten Planung bis zur Rückkehr von dieser Fahrt, muß ich sagen, daß mir die Planungsphase genau so viel Spaß gemacht hat, wie der Ride selbst. Eigene Gedanken zu einer solchen Tour, Informationen von Gerhard Krüger von der IBA Germany, weitere Tips von erfolgreichen Absolventen eines IBA Rides im persönlichen Kontakt und im Kontakt über das IBA-Forum als auch ein Vorbereitungstreffen aller Teilnehmer, 4 Wochen vor dem gesetzten Ride-Termin, haben in mir eine unheimlich große Motivation aufgebaut, dieses „Ding“ gemeinsam zu schaffen.

Zunächst jedoch, obwohl ich in einem vorherigen Blogbeitrag bereits ein wenig über die Entstehung unserer Teilnehmergruppe geschrieben habe, möchte ich noch einmal erzählen, warum ich mich überhaupt auf eine 5er-Gruppe eingelassen habe, um den 16/24 zu fahren.

Am Anfang schuf Gott… ach ne, das ist doch etwas weit ausgeholt. 😉 Also – auf die Idee, einen 16/24 anzugehen, bin ich gekommen, als ich während eines Email-Austauschs mit Hendrijk, einem 16/24 Absolventen und Markenkollegen auf der Honda ST 1100, ein paar Fotos seiner Kutte zugesandt bekam. Auf dieser war unter anderen auch der 16/24 Patch der IBA zu sehen. Diesen habe ich als solchen zwar nicht erkannt, aber auf den Satz „Member of the world toughest motorcycle drivers“, der entlang der Randbestickung zu lesen war, habe ich Hendrijk, dann doch ansprechen müssen. Mit Geduld und Stolz erklärte er mir, was es mit den Rides der Iron Butt Association auf sich hat und es hat mir schon imponiert, daß er im Alter 60+ eine solche (Tor)tour geschafft hat.

Nach einigem hin- und her überlegen, ohne große Beteiligung der Vernunft, wuchs in mir der Wunsch, eine solche „Sache“ auch mal zu unternehmen. Es begann die Planung der Tour, in dem ich zunächst auf den Webseiten der großen Tankstellenketten in jedem Bundesland nach Tankstellen mit 24/7-Öffnungszeiten suchte. Von diesen Tankstellen suchte ich, beginnend vom Flughafen Frankfurt, diejenigen heraus, die sich auf einem kürzest möglichen Weg miteinander zu einer Rundreise durch alle Bundesländer unseres Heimatlandes verbinden ließen. Am Ende kam dabei eine Gesamtstrecke von 1812 Kilometern, nach Google-Maps Navigationsberechnung, heraus. Damit war auch die Anforderung von mindestens 1600 gefahrenen Kilometern für diesen Ride erfüllt.

Mit diesem Plan „in der Tasche“ begann ich auf der Arbeit, einigen Kollegen davon zu erzählen und es dauerte gar nicht lange, da sprach mich Klaus, mit dem ich nicht nur mit dem Motorrad, sondern auch auf der Arbeit viel gemeinsam mache, so ganz nebenbei an, daß ich ja nicht glauben sollte, daß ich die Tour ohne ihn fahren würde. Er kommt natürlich mit.

Also waren wir zu zweit. An diesem Punkt begann ich erneut Informationen einzuholen. An einer Stelle wurde mir empfohlen, auf keinen Fall noch mehr Teilnehmer mitzunehmen, weil sonst die Wartezeiten an Ampeln und beim Tanken zu sehr aufaddieren würden und dies das Gelingen des Rides gefährden würde. Wie auch immer, wir waren ja nur zu zweit. Jetzt mußte ich aber die Tour noch mal umbauen, weil der Tank von Klaus‘ Maschine spätestens nach 200 Kilometern genau so leer wie die Staatskasse von Griechenland gewesen wäre. So mußte ich nun eine Etappe von 359 und eine von 215 Kilometern so verlegen, daß wir immer zuverlässig vor der Ebbe im Tank eine Tankstelle erreichten. Im nachhinein sollte sich das als Vorteil herausstellen, aber zu diesem Zeitpunkt wußte das natürlich noch niemand.

So machte es also die Runde, daß Klaus und Köfte eine „Marathonfahrt durch alle Bundesländer Deutschlands, innerhalb von 24 Stunden“ vorhatten. Es dauerte nicht lange, da „beschwerte“ sich Rainer, ein Kollege mit dem wir schon oft schöne Touren gefahren sind, daß wir ihn doch nicht außen vor lassen könnten. Ihr wißt, wie das ist. Wenn aus einer Dreier-Clique Zwei etwas „Großes“ machen, kann man dem Dritten dies nicht verwehren. Daher waren wir nun zu dritt.

Langsam bekam ich nun ernsthafte Bedenken, ob die Zeit nun wirklich noch reicht, um diese Tour zu dritt zu schaffen. Meine Informationen waren zu diesem Zeitpunkt, daß man ungefähr 100 Kilometer pro Stunde zurücklegt, wenn man diese Tour fährt. Das hätte bedeutet, daß wir allein für den Weg, ohne zu tanken, bereites 18+ Stunden benötigten. Die Tankphasen sollte ich mit jeweils 17 Minuten einkalkulieren. Darin eingerechnet waren Wartezeiten auf das Freiwerden einer Zapfsäule, Wartezeiten beim Bezahlen und weitere unerwartete Verzögerungen auf der Tankstelle. Wenn man davon ausgeht, daß wir 16-mal tanken mußten, kamen zu den 18 Stunden noch 16 x 17 = 272 Minuten hinzu. Das sind nach Adam Riese und Eva Zwerg 4 Stunden und 32 Minuten. Also würden wir dann nach 22 ½ bis 22 ¾ Stunden wieder am Ziel ankommen. Dann hätten wir aber noch keine einzige Pause gemacht und auch keine Gelegenheit gehabt, körperlichen Bedürfnissen nachzugehen.

Gut – Das ist nun wirklich die endgültige Maximalgröße der Gruppe, dachte ich mir. Aber es kommt ja immer erstens anders als man zweitens denkt. Der nächste, der ernsthaftes Interesse bekundete, war Eddy. Eddy hat mich nicht nur in die Biker Union geworben und mit dafür gesorgt, daß ich im August 2015 auf der Sternfahrt der Biker Union nach Berlin wenigstens eine Etappe mitfahre, sondern er ist auf der Arbeit auch noch sozusagen mein Chef. Abgesehen von der Sympathie, die ich sowieso schon hegte, wäre ein Ablehnen aus der Angst heraus, die Tour nicht mehr im vorgeschriebenen Zeitrahmen schaffen zu können, aus mehreren Betrachtungswinkeln heraus blöd gewesen. Außerdem hatte er noch das schlagkräftige Argument, daß es in seinem Club wohl schon mal Interesse an einem solchen Ride, aber nie ernsthafte Planungen gegeben hätte. Er sah nun also unser Vorhaben als seine Chance, dies wirklich mal angehen zu können.

Mein Gedanke nach der Zusage, daß er mitfahren kann, war: „Wie erkläre ich das den anderen Beiden?“ gleich gefolgt von: „Das war’s dann wohl mit dem Erfolg beim ersten Versuch“. Ich beschloß also, bei der IBA per Mail nachzuhaken, ob es überhaupt schon „Gruppen“ als erfolgreiche Absolventen des 16/24 gegeben hat. Gerhard konnte mich zum Glück beruhigen. Es gab schon mehrere Gruppen, die deutlich unter dem Zeitlimit diesen Ride geschafft haben. Meine Welt war plötzlich wieder in Ordnung. Ich kannte den Fahrstil von Klaus und Rainer und wußte, daß Eddy langstreckenerprobt war. Na dann kann die Tour ja kommen.

Denkste. Ha-Ha! (Man stelle sich das Lachen von Nelson aus „Die Simpsons“ vor) Es gab noch einen letzten Teilnehmer-Nachschlag. Eddy bat im Namen seiner Frau darum, daß sie ebenfalls mitfahren dürfe. Jetzt war mein Alarmsinn geweckt. Als Männlein hat man es ja leicht, wenn man mal „muß“. Obwohl es alles andere als schön ist, reicht uns Herren ein halbwegs blickdichtes Gebüsch um mal schnell „dem Schwager die Hand zu reichen“ und sich zu erleichtern. Was machen wir aber, wenn unsere TeilnehmerIN zu den „Ich muß schon wieder mal wo hin“ Damen gehört? Irgendwie habe ich gar nicht daran gezweifelt, daß Susi es körperlich oder die Müdigkeit betreffend schaffen würde. Ich hatte nur einfach echte Befürchtungen, daß uns regelmäßige Pipi-Pausen den Zeit-Tod auf dieser Tour sterben lassen würden. Ja, schimpft mich einen Chauvi, aber glaubt mir, ich bin nicht wirklich so, wie man es nach diesen Worten vermuten könnte.

Auch das war aber schlußendlich kein wirkliches Problem. Zunächst sprach ich mich mit Klaus und Rainer ab und dann noch mal mit Eddy. Erstere hatten nichts dagegen und so war ich froh, auch diesem Anliegen zustimmen zu können. DAS wollte ich nun wirklich nicht allein entscheiden, aber zum Glück gab es auch hier keine Differenzen. Eddy bestätigte schließlich auch, daß Susi in diesem Punkt pflegeleichter als mancher Mann wäre und das bestätigte sich auch später auf der Tour.

Das war jetzt aber tatsächlich die endgültige Gruppengröße und wir waren uns nun einig, daß es, egal aus welchem Grund, keinen weiteren Mitfahrer mehr geben würde. Es ist sowieso schon verwunderlich, daß gleich 5 Leute so „deppert“ sind, so etwas überhaupt machen zu wollen.

Da wir uns auf der Arbeit immer wieder über den Weg liefen, gab es ausreichend Gelegenheiten, sich immer wieder über die Tour auszutauschen. Um die letzten Punkte in Ruhe zu besprechen trafen wir uns 4 Wochen vor dem Ride noch einmal zu Kaffee und Kuchen bei Susi und Eddy und klärten so wichtige Dinge wie „Was machen wir, wenn einer liegenbleibt?“ und „Wann starten wir?“. Außerdem habe ich für alle eine Roadmap, mit der jeder Teilnehmer für sich allein, ohne elektronische Helfer, die Tour zu Ende fahren konnte, eine Liste der Tankstellen mit Telefonnummern und Adressen und eine ungefähre Zeittabelle, wann wir an welcher Tankstelle ankommen sollten, um im Zeitplan zu bleiben, mitgebracht. Wir sprachen über die nötige Ausrüstung und über den Papierkram, der für die IBA während der Fahrt zu führen ist.

Die letzten vier Wochen vergingen zunächst zäh. Das an meinem Motorrad dann die Tachoantriebsschnecke defekt ging und Eddy an seiner großen Triumph Anlasserschalter-Probleme bekam, hat uns auch nicht lange aus der Bahn geworfen. Klaus hat mir geholfen, den Tacho zu reparieren und Eddy meldete auch schnellen Erfolg mit seinem Problem. In der letzten Woche vor der Fahrt fing ich dann an, ohne Wecker auszuschlafen. Das resultierte zum Teil in schlechten Schlaf, weil ich einfach nicht müde genug war, um lange genug durchzuschlafen. Die letzten Tage vor dem Ride hatten Klaus und ich Nachtschicht und damit hatten wir den Heimvorteil, an ein Wach sein in der Nacht gewöhnt zu sein. Am letzten Tag vor der Abfahrt hatten wir jedoch frei und so hatte ich ausreichend Zeit, alles sorgfältig in die Seitenkoffer, in das Top Case und in den Tankrucksack zu packen, so wie ich es mir schon Wochen vorher in Form einer Checkliste zurechtgelegt hatte.

Am Samstag dem 16.04. stand ich sehr ausgeruht um 12 Uhr auf und begann meine Maschine mit der „Marschladung“ zu bestücken. Dann noch schnell den rechtzeitig am Vorabend von der Packstation abgeholten 2-Liter Reservekanister betankt, einen kleinen Schluck in den fast leeren Haupttank (was ein Drama, auf dem Weg zum Treffpunkt ohne Sprit auszufallen), zweimal in die Reifen gehustet für den richtigen Luftdruck und los ging es zum Treffpunkt.

Als Zeitpunkt für die Abfahrt war 15.00 Uhr vorgesehen und wir wollten uns
um halb 3 für die Erledigung der Zeugenformalitäten treffen. Da meine Frau nicht mitfuhr, konnte sie für uns alle als Zeugin unterschreiben. Bis auf Klaus waren schon alle an der Start-Tanke anwesend, als ich um 14:32 dort aufschlug. Klaus kam und kam nicht bei und ich stellte bei einem Blick auf mein Handy fest, daß er versucht hatte, mich um 14:38 anzurufen. Erst dachte ich, „Verdammt, er kneift in letzter Sekunde“, aber schließlich tauchte er doch noch auf und erzählte von einer Vollsperrung auf der Autobahn, die er mit dem Motorrad zum Glück mit durchschlängeln bis zur nächsten Abfahrt umgehen konnte. So fuhr er halt anders um Frankfurt herum zu uns und kam dann doch noch rechtzeitig an.

Klaus kommt doch noch pünktlich zum Treffpunkt

Rainer, Susi, Eddy, Köfte und Klaus. Gleich geht's los

Dann ging es los. Wir legten eine feste Fahrordnung in der Kolonne fest und machten uns nach der ersten Betankung unserer Motorräder auf den Weg nach Hemsbach.  Das Wetter war sonnig und leicht warm und ließ uns guter Dinge den Ride angehen. Als Guide legte ich zunächst ein Reisetempo von 140 vor. Durch die bekannten Ziehharmonikaeffekte bei Gruppenfahrten zwang dies Eddy, als letzten Fahrer in der Gruppe, immer wieder dazu, mit 160 aufzuholen. Da er ohne Windschild fuhr, befürchtete er, daß seine Arme, nach 24 Stunden Fahrt gegen diesen Winddruck, Bonobolänge erreichen würden. Ab dort verringerte ich also das Reisetempo auf 130 und so war es ihm dann auch ganz recht. Von Hemsbach aus ging es weiter Richtung Saarland und wie sollte es anders sein? Ab Kaiserslautern fing es an zu regnen.

Ja, das ist nur ein Schauer, waren meine Gedanken. Ein wenig später: Ok doch etwas mehr als gewöhnlich. Noch mal etwas später dann: Verdammt es hört nicht auf. Jetzt war Mut zur Lücke gefragt. Gleich das erste Mal einen unplanmäßigen Stop einlegen und die Regensachen rausholen? Riskieren, daß man doch richtig nass wird? Ich entschied mich für ersteres und nach einem ersten vergeblichen Versuch, die Gruppe geschlossen auf der Autobahn in eine Nothaltebucht zu bringen, gelang mir dies bei der Zweiten. Bis auf Eddy entschieden sich alle, ihre Regensachen wenigstens zum Teil überzuziehen und ich muß im nachhinein sagen, daß dies eine der besten Entscheidungen auf dieser Fahrt für meinen Fahrkomfort war. Zum Glück hat sich Klaus noch vor der Tour zum Kauf einer Regenkombi überreden lassen. Nach seiner Aussage hätte er die Tour ohne diese Kombi wohl nicht zu Ende fahren können. Als der Regen später noch mal mehr zunahm, steuerte ich erneut einen Parkplatz an, um Eddy Gelegenheit zum Umziehen zu geben. Erneut winkte er ab und gab zu verstehen, daß bei ihm so alles ok wäre. Erst an der nächsten Tankstelle holte er sein Regenzeug heraus und legte es an. „Jetzt haben wir Zeit für so was“ war seine Aussage. „Wir müssen ja schließlich fahren“. Ein alter zäher Hund, unser Eddy. 😉

Die weitere Fahrt verlief zunächst ereignislos aber verregnet. An den Tankstellen fanden wir fast immer 3 bis 4 freie Zapfsäulen vor und so stauten wir uns eher an der Kasse als an der Zapfpistole. Selbst für die eine oder andere Kleinigkeit zum Knabbern, die meine Frau mir in liebevoller Art mundgerecht zugeschnitten und verpackt hatte, gab es an jeder Tankstelle genug Zeit. Ab der Tankstelle in Hagen / Westfalen hatte auch endlich der Regen wieder ein Einsehen und versiegte. Dafür fiel ab diesem Zeitpunkt mein Abblendlicht im Hauptscheinwerfer aus. ST – Fahrer kennen ja sicher den Trick, das Abblendlicht zum Nebenscheinwerfer, der eigentlich nur für das Fernlicht da ist, durchzuschleifen. So konnte ich wenigstens noch genug sehen, um die Kolonne sicher genug anführen zu können. Klaus, als Zweiter in der Kolonne, rückte versetzt hinter mir so weit auf, daß sein Scheinwerferlicht genau den toten Bereich ausleuchtete, den mein „Hilfsscheinwerfer“ aufgrund einer falschen Streuscheibe nicht erhellen konnte. Teamwork in Perfektion und das auch noch ungefragt. So muß ein solcher Ride einfach laufen.

20 Minuten vor Mitternacht kamen wir in Bremen an. In 7 ¾ Stunden hatten wir etwas über 720 Kilometer abgespult. Mein Taschenrechner im Kopf ratterte: Knapp ein Drittel der Zeit vorbei. Ein Drittel der Strecke wäre 600 Kilometer. Bei 100 km Fahrleistung pro Stunde hatten wir also eine gute Stunde Zeit gutgemacht. Für Bremen war auch unsere erste Pause geplant. Trotzdem wurde ich nun leicht nervös. Die rausgefahrene Zeit gleich wieder mit einer Pause zu verbraten? Dann noch beim Burger King? Nun ja, die Pause war geplant und ich nutzte die Gelegenheit, bei meiner Maschine nach dem Ölstand zu gucken. Je nach Motorlast und Fahrtstrecke scheint sie etwas auf Ölverbrennung abzufahren und so konnte ich auch glatt einen dreiviertel Liter nachkippen. Gut, daß ich 2 Liter eingepackt habe, dachte ich mir. Als das Mopped nun versorgt war, gönnte ich mir dann auch eine fürchterlich leckere aber ungesunde Kleinigkeit.

Bremen, die erste geplante Pause erwartet uns

Die Fahrt ging anschließend weiter über Hamburg nach Schwarzenbek. Der Weg aus Hamburg heraus führte uns durch ein Gebiet, daß sich durch hochgeklappte Bürgersteige in den Dörfern und Warnschildern vor 5 Kilometer Wildwechsel dazwischen, auszeichnete. Bei Letzterem wollte ich nun wirklich keinen Unfall riskieren und hielt mich mit ordentlichen 70 bis 80 km/h genau in der Straßenmitte, sobald kein Gegenverkehr herrschte. In Schwarzenbek selbst hatte ich das einzige Mal Angst, daß eine geplante Tankstelle gar nicht geöffnet hat. Auf meinem TomTom Rider Motorrad-Navi werden bei jeder Route die direkt am Weg liegenden Tankstellen angezeigt. Für Schwarzenbek waren immerhin gleich 4 solcher Markierungen zu sehen. Die erste Tanke kam in Sicht: Geschlossen. Dann die zweite: Geschlossen. Die dritte war wohl schon länger umfunktioniert und längst keine Tankstelle mehr. Mein Notfallplan war schon vor der Aktivierung als ich endlich überglücklich ein blau leuchtendes Aral Zeichen im Verlauf einer Kurve auftauchen sah. Diese Tankstelle war wohl auch der Ersatz für die Dorf-Disco, denn hier war ordentlich was los. Während des kurzen Gesprächs auf der Tankstelle, daß zwischen dem einen oder anderen in unserer Gruppe immer wieder geführt wurde, wenn wir hielten, berichtete Eddy davon, daß er im letzten durchfahrenen Ort an einer Apotheke eine Temperaturanzeige gesehen hatte, die ihm frech 4° entgegen grinste. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich, daß es eine sehr gute Idee war, den Regenkombi rechtzeitig anzulegen. Dankbar war ich auch dafür, daß Eddy mir ausredete, an einem der vorherigen Tankstops, als es nicht mehr regnete, die Kombi wieder auszuziehen. Er empfahl mir, die Wärmeisolierung lieber beizubehalten und Recht hat er gehabt.  Bei 4 Grad habe ich normalerweise längst die Griffheizung auf Mikrowelle eingestellt aber durch die gesammelte Wärme am ganzen Körper hielten sich sogar die Hände noch lange warm.

Nach Schwarzenbek fuhren wir zur A24 und begaben uns Richtung Berlin. Erst dachte ich, die Wildwechselstrecken zwischen HH und Schwarzenbek wären lang, aber nun erschienen solche mit „18km Wildwechsel“ und mehr. Ok. Autobahn ist ein anderes Thema aber hier war auch zum Glück so wenig Verkehr, daß unsere 130 km/h „langsame“ Truppe auf dem ganzen Weg bis nach Berlin nur ein Handvoll Mal überholt wurde. Also konnte ich mit meinem weitreichenden Doppel-Fernlicht genug sehen, um trotz dieser Warnung weiterhin das Reisetempo halten zu können. Auf der Raststätte Walsleben hatte ich dann ein Deja vu, als es mir vorkam, wir wären wieder auf der Raststätte Stolpe, die wir zuvor angefahren hatten. Beide Tankstellen waren absolut identisch aufgebaut. Zum Glück war die Inneneinrichtung anders. 😉

Ab hier begann es dann auch wieder zu regnen. Nach unserer „Regen-App“ war dies zwar zu erwarten aber im Trockenen fährt es sich ja doch viel besser. Berlin wollten wir möglichst früh am Morgen durchfahren, um den Staus auf den innerstädtischen Autobahnen zu entgehen. Mit einer Ankunftszeit von 5:20 Uhr ist uns das auch wunderbar gelungen. Ohne weitere Verzögerung verschwanden wir wieder aus der Hauptstadt und der gefühlte Rückweg begann.

Die nächste Etappe bis nach Schkeuditz sollte knapp 160 Kilometer lang sein. Dort war auch eine weitere Pause geplant. Wir vereinbarten jedoch vor der Abfahrt in Berlin, daß wir diese Tour auf ungefähr halber Strecke für eine kurze „Anti-Müdigkeits-Pause“ unterbrechen wollten. An einer passenden Raststätte angekommen, entschieden wir uns dann sogar, gleich hier unsere später geplante Pause zu nehmen und nutzten die Gelegenheit zur Verpflegung und genossen heißen Kaffee im Tankstellenbistro.

Nachdem wir wieder auf dem Weg Richtung Schkeuditz waren, erschien ich plötzlich selbst, auf meinem Motorrad fahrend, neben mir auf der Autobahn und grüßte mich. Eine Halluzination vor Müdigkeit? Das dachte ich erst, obwohl ich mich nicht müde fühlte. Alsbald erkannte ich dann aber Hendrijk, der mich nicht nur zu diesem Ride „angestiftet“ hat, sondern durch sorgfältige Beobachtung meines Live-GPS-Trackers genau wußte, wann er sich auf den Weg machen mußte, um uns abzufangen. Er fährt nicht nur eine ST in der gleichen Farbe wie meine, sondern trug auch noch einen sehr ähnlichen schwarz-gelben Regenkombi. Hendrijk begleitete uns zum Autohof, an dem wir tanken wollten und versorgte uns mit mitgebrachtem Kaffee und hatte sogar belegte Brote dabei. Leider hatten wir kurz vorher schon gegessen, aber einen heißen Kaffee kann man auf so einer Tour immer gut vertragen. An dieser Stelle nochmal einen herzlichen Dank von uns Allen an dich, Hendrijk.

Autohof Schkeuditz, Treffen mit Hendrijk

Nach dem nächsten Stop an der Rastanlage Osterfeld hatte der Regen wohl erneut genug von dem vergeblichen Versuch, „die fünf Bekloppten da unten auf ihren Motorrädern“ zum Aufgeben zu bewegen. Bis auf vereinzelte kurze Spritzerchen war es das auch an Regen, was wir während des restlichen Rides zu ertragen hatten.

Ab dem „Thüringen-Stop“, so um 20 vor 9 morgens, war uns klar, daß wir zeitmäßig absolut top im Rennen lagen. Daher entschlossen wir uns hier zu einer weiteren Pause. Aus Gründen der Müdigkeitsbekämpfung bei unserer tapfer mithaltenden Susi war dies auch nicht unangebracht. Geholfen hat dies ohne Zweifel, denn den Rest der Strecke konnten wir nun alle erstens mit dem Bewußtsein angehen, daß nur noch 107, 108 und weitere läppische 44 Kilometer vor uns lagen, und zweitens war nun die Euphorie und der Adrenalinspiegel, angesichts der Tatsache es bald geschafft zu haben, so hoch, daß Müdigkeit überhaupt kein Thema war.

Eine weitere Paus auf dem Rastplatz Hörselgau

An der letzten Tankstelle vor der Zielankunft konnte ich nicht mehr anders und gratulierte Eddy bereits mit den Worten „Wir haben es geschafft“. Er holte mich erst mal wieder auf den Boden zurück und mahnte weitere Vorsicht für die letzten paar Kilometer an.

Alzenau, fast geschafft. Nur noch 44 km

Um 13:18 Uhr schließlich, konnte ich meinen letzten Tankbeleg für diesen Ride entgegennehmen und war überglücklich, tatsächlich mit den anderen Vieren den 16/24 gepackt zu haben. Als wir auf die Tankstelle fuhren, erwartete uns sogar ein Empfangskomitee, bestehend aus meiner Frau, einem Clubkollegen und meinem Stiefsohn samt Lebensgefährtin und Sohn, die uns mit zwei Willkommens- und Glückwunschplakaten freudig begrüßten. Dieser schöne Empfang war noch mal ein Sahnehäubchen auf das Glücksgefühl und den Stolz oben drauf.

Das Empfangskomitee. Timo, Susanne, Kati, Thomas und Daniel

Am gleichen Abend noch habe ich meine Dokumentation an die IBA geschickt und warte nun sehnsüchtig auf die Zertifizierung des Rides. Mit avisierten 6 Wochen wird es bis Anfang Juni dauern, bis ich sie endlich in den Händen halten kann. Natürlich hoffe ich, daß die Dokumentation in Ordnung ist, aber selbst wenn nicht, weiß ich, daß ich diesen Ride trotzdem geschafft habe.

Wir haben es geschafft!

Laut Tacho haben wir auf dieser Tour, je nach Motorrad, zwischen 1684 und 1720 Kilometer zurückgelegt. Das Ganze gelang uns in gut 22 ½ Stunden. Könnt ihr euch noch an die Berechnung weiter oben erinnern? Dort war diese Zeit ohne Pausen veranschlagt.

Mein Fazit zu diesem Ride ist, daß es auch in einer vermeintlich zu großen Gruppe gut gelingen kann, eine Leistungsfahrt in dieser Kategorie zu bewältigen. Gute Planung vor der Tour und Einigkeit bzw. Absprachen für den Fall, daß Sondersituationen eintreten, geben der Gruppe ausreichend Gelassenheit um diese Strecke und die Anforderungen an die Ride-Dokumentation gut zu bewältigen.

Mit dieser Gruppe würde ich einen weiteren Ride jederzeit wieder durchführen.

4 Gedanken zu “SS 1600K – 16/24 vom 16. bis 17.04.2016

  1. Schöner Bericht, schöne Tour! Vielen Dank dafür und nochmals herzlichen Glückwunsch dazu!

    Naja, und seine Verrücktheit, das hat mein Vater von mir geerbt…. irgendwie…. 🙂

  2. Man, Köfte, das ist ja ein toller Bericht zu einem tollen Ride !
    Irgendwie bin ich beim Lesen mitgefahren……Toll.
    Gratulation Euch Allen !!! Ich freue mich mit Euch.
    Also dann, das Ganze erst mal verarbeiten und irgendwann auf ein neues Abenteuer. !
    herzlichste Grüße
    Hendrijk

    PS: „Naja, und seine Verrücktheit, das hat mein Vater von mir geerbt…. irgendwie…. “
    ….aber die Große „Klappe“ von mir… ;-))

  3. Lieber Köfte, ohne Deine hervorragende Vorbereitung und Organisation wäre es wahrscheinlich viel schwerer gewesen, die Tour so problemlos zu schaffen. Danke dafür, dass Du Susi und mich trotz Deiner Bedenken mitgenommen hast. Wir freuen uns schon auf den nächsten Trip.
    Der Tourbericht spiegelt all unsere Ängste und Freuden wieder. Kaum zu glauben, dass man in Worten beschreiben kann, was wir erlebt haben. Auch Dank dafür.

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