Moto Expo Gießen 2016

Am 27. und 28. Februar fand in den Hessenhallen Gießen die 20. Ausgabe der Motoexpo statt. Leider war ich durch ein von Nachtschichten infiltiriertes Wochenende in der Ausführlichkeit meiner Anwesenheit dort etwas behindert, aber dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, am Samstag ein paar Stunden durch die beiden Ausstellungshallen zu schlendern. Eine schöne Einstimmung auf die kommende Saison und eine Art von starken Kaffee für die eingeschlafenen Ausfahr-Gedanken waren zunächst die Angebote der unterschiedlichen Motorradreisen-Anbieter. So waren Schwarzwald Biker Tours mit dem neuen Angebot für dieses Jahr und das im Alpenraum tätige Touristik-Unternehmen Motorrad Hotels mit dem „Kurven und Knödel Magazin“ als Angebotsverzeichnis auf der Messe. Bei beiden Anbietern gab es kostenlose Faltkarten aus dem „Einsatzgebiet“ des jeweiligen Unternehmens.

Reiseprospekte Schwarzwald Biker Tours und Kurven und Knödel Magazin

Damit man sich in Deutschland, auf dem Weg zur Grenze in das Motorrad-Urlaubsland seiner Wahl, nicht verfährt, wenn der Orientierungssinn oder das Navi mal ein Nickerchen machen, konnte man auf der Messe den Deutschland-Kartensatz der Firma Flexi Map erwerben. Dieser besteht aus 12 handlichen und wetterfest folierten Karten, die sich perfekt in die Kartentasche eines Tankrucksacks einpassen lassen.

Flexi Map Kartensatz

Für unsere Freunde der wettergeschützten Anreise im Auto, das Motorrad auf den angebundenen Packesel geschnallt, war die Firma Camp & Bike vertreten. Die in Bad Camberg ansässige Motorrad-Anhängervermietung bietet ab 99 Euro pro Woche eine Auswahl an Motorradanhängern für bis zu drei Motorräder und einer Zuladung bis zu 1000 kg zur Miete an. Das Verzurrmaterial ist dabei im Mietpreis bereits enthalten.

Was macht der schlaue Motorradfahrer, der sich entweder dem Winterpausenrost oder der letzten Schräglagenangst entledigen will? Er nimmt an einem Fahrtraining teil. Das macht nicht nur Spaß sondern bringt auch gerade Anfängern wirklich viel. Obwohl der ADAC auf der Moto Expo vertreten war, bewarb er sein weit gefächtertes Angebot aus diesem Bereich nicht sichtbar, wenn überhaupt. Dafür waren die Kurvendiskussion Gießen mit einem sehr interessanten Ausbilderteam (Rennfahrer, Stuntfahrer und Fahrlehrer) und die Firma PS-Motorradtraining mit weniger sichtbaren Ausbildern, dafür aber mit wunderschönen Motorrädern als Trainingsanbieter anwesend.

Werbemotorrad bei PS-MotorradtrainingAnbebotsflyer Kurvendiskussion Gießen und PS-Motorradtraining

Beide Anbieter liegen mit einem Preis von 170 bzw. 179 Euro, für einen ca. 8-stündigen Tageslehrgang, preislich ungefähr gleichauf. Ähnliche Schulungen gibt es beim ADAC vergleichsweise bereits ab 100 Euro. Auch dort sind Ausbilder mit Rennerfahrung unter den Instruktoren.

Als Ausrüster für Motorradbekleidung ließen sich von den bekannten Anbietern lediglich Polo und Hein Gericke blicken. Bei beiden gab es neben den haushoch aufgetürmten Katalogstapeln auch ein Gewinnspiel. Hein Gericke war dabei etwas großzügiger (mein Gewinn war eine Packung Visierreinigungstücher) als Polo, aber dafür konnte man bei Polo seinen Gewinn auch gegen einen anderen tauschen, wenn man z.B. anstelle eines Feuerzeugs lieber den Luftdruckprüfer für den Schlüsselbund haben wollte.

Reifendruckprüfer von Polo

Eine Messe ist stets ein hervorragender Ort um dem jeweils einschlägigen Publikum die Verbandsarbeit von Interessenvertretungen näher zu bringen. Genutzt hat das dieses Jahr die Christian Motorcyclists Association, die sich dafür einsetzt, unter Motorradfahrern den christlichen Glauben zu fördern. Die CMA nimmt auf Einladung auch gerne an Clubveranstaltungen teil um direkte Basisarbeit für Ihre Belange durchzuführen.
Die Biker Union, der Interessenverband der Motorradfahrer, Rocker und Biker, war ebenfalls vertreten. Der Stand der BU wurde vom Biker Union Stammtisch Wetzlar betreut. Im Gespräch am Stand konnte man den Wunsch an die Szene erkennen, daß es „schön wäre, wenn mehr Motorradfahrer nicht nur den Vorteil aus der Lobbyarbeit der BU ziehen würden, sondern sie auch (finanziell) unterstützen würden“. Nimmt man den durchschnittlichen Monatsbeitrag eines MC’s als Maßstab, liegt die Biker Union mit einem JAHRES-Mitgliedsbeitrag von gerade mal 40 Euro vergleichsweise im Dumpingpreis-Segment. Denkt mal darüber nach und wenn ihr euch für eine Mitgliedschaft in der BU erwärmen könnt, findet ihr hier den >Mitgliedsantrag Online<.

Eine weitere Attraktion im Sinne von „mal gucken was es alles an interessanten, neuen, kuriosen oder witzigen Dingen gibt“ ist das stets weit gefächerte Angebot von Händlern verschiedenster Waren auf solchen Messen, die auch nur irgendwie so gerade zum Ausstellungsthema passen. Zu sehen waren hier neben diversen Angeboten von Lederwesten und sonstiger Bekleidung das übliche Sortiment von Pins, Patches und Bikerschmuck, ein Anbieter für Piercings, ein weiterer für BikerINNEN-Handtaschen samt passenden Portemonnaies,

Handtasche mit Portemonnaie im Totenkopf Design

und, wer hätte es vermutet, eine Großzahl von Motorradhändlern. Neben den japanischen Herstellern die sowieso in aller Munde sind, waren noch Triumph, MV Agusta, ein Quadanbieter dessen Namen mir entfallen ist und witzigerweise ein Suzuki-Händler mit einem riesigen Angebot an gebrauchten BMW Motorrädern vor Ort. Eine dieser Maschinen gefällt mir sogar ganz gut, aber mit meiner PAN bin ich (leider?) viel zu sehr zufrieden um mir einfach ein neues Motorrad zu kaufen.

Eins der von mir gekauften Produkte möchte ich an dieser Stelle besonders erwähnen. Zunächst wollte ich an dem entsprechenden Stand einfach vorbei gehen. Jeder hat das Bild vor dem geistigen Auge, daß ein Verkäufer, mit einem Schemel vor sich stehend und selbst auf einem Stuhl sitzend, die vorbei schlendernden Besucher anspricht und anbietet, deren (Leder-)Schuhe zu polieren. Anschließend bietet er das „Wunderprodukt“, das er verwendet, für einen horrenden Preis zum Kauf an. Dieses Produkt, daß zum Teil auch wirklich gut sein kann, findet man dann abends im Online-Handel für ein Viertel des „Spezial-Messepreises“ – natürlich versandkostenfrei. In diesem Fall war es aber anders! Abgesehen davon, daß die Produkte der Firma Leka für Endverbraucher nicht bestellbar sind, hat mich allein die Wirkung des Produkts wirklich überrascht. Nicht nur, daß das Lederpflege-Balsam tatsächlich nur durch auftragen mit einem Schwamm und leichtem polieren alle Verschmutzungen von den Stiefeln entfernt hat – und Winterfahrer werden wissen, wie schlimm ungepflegte Stiefel durch Salz und Straßendreck aussehen können – nein auch nach 24 Stunden bleibt dieser Effekt wirklich erhalten und verschwindet nicht, wie der Fettfilm auf eingecremten Händen, nach einer Weile. Die Stiefel glänzen und als Bonus oben drauf: Sie sind mit einem Lotuseffekt versehen und Wasser rutscht an ihnen ab wie eine MotoGP Maschine beim Eis-Speedway. Wer jetzt denkt, „dann ist Köfte halt beim Preis reingefallen“, täuscht sich sehr. Niemand läßt eine Verpackung mit Preisangabe von 29,50 Euro herstellen um das Produkt dann auf einer Messe für 20 Tacken zu verscherbeln und noch diverse Zugaben hinzu zu geben. Ganz ehrlich jetzt: Um die Stiefel so aussehen zu lassen, habe ich sie nach gut 6 Monaten Nicht-Pflege nur 5 Minuten lang (für beide Stiefel) per Schwämmchen mit dem Balsam eingerieben.

Stiefel nur mit Pflegecreme behandeltStiefel mit Lotuseffekt

Pflegecreme behandelt

Zu guter letzt wurden auch zwei Messestände von deutschen Behörden betrieben. Hessen Mobil war in Sachen Motorradfahrer-Sicherheit mit einem, wie ich finde, sehr guten Projekt anwesend, über das ich noch einem gesonderten Blog-Beitrag schreiben werde und das Polizeipräsidium Mittelhessen hat die Aktion BOB vorgestellt. Hierbei geht es darum, daß in Gruppen, die sich zu einer Feier begeben, oder einfach nur ausgehen wollen, eine Person dazu bereit erklärt, gänzlich auf Alkohol zu verzichten. Nach außen macht diese Person ihre „Aufgabe“ mit einem BOB-Schlüsselanhänger sichtbar. Ausgerüstet mit diesem deutlichen Zeichen genießt dessen „Besitzer“ bereits in sehr vielen Gaststätten ein alkoholfreies Gratisgetränk auf Rechnung des Gastwirts. Äußerlich erkennt man teilnehmende Gaststätten an einem BOB Aufkleber an der Tür. Da es auch in unserem Club üblich ist, wenn wir in der Winterzeit mit dem Auto zu Partys fahren, daß einer wirklich nüchtern bleibt, habe ich für uns einen solchen Anhänger mitgebracht. Mal schauen ob wir dieses Projekt dadurch auch bei „den bösen Rockern“ etablieren können.

Schlüsselanhänger und Flyer BOB

Nach gut 4 Stunden habe ich beide Hallen so gut wie komplett abgeklappert. Anspruch auf Vollständigkeit kann ich natürlich nicht erheben aber ich hoffe, daß für die Leser unter euch, die keine Möglichkeit zum Besuch der Moto Expo hatten, genügend Infos dabei waren um einen ausreichenden Eindruck von der Messe gewinnen zu können. Nach einer Bockwurst im Brötchen und einer Coke light, machte ich mich sodann auf dem Heimweg, denn vor der Nachtschicht hat der Herr der Augenlid-Gewichte noch den Kurzschlaf gelegt. Zuvor hatte ich jedoch das Vergnügen, zum ersten Mal Mitglieder der Hells Angels „in live“ zu sehen. Das Chapter Giessen war mit einigen Mitgliedern ausländischer Chapter und vielen Prospects ebenfalls auf der Messe zu Besuch. Bedrohlich? Nein, das waren sie nicht. Nur viele – aber Kaffeefahrt-Busse lassen manchmal mehr ungewöhnliche Gestalten aussteigen. 😉

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